Buhwiler bildet in Sri Lanka Maurer aus

Dieses Frühjahr ist der pensionierte Instruktor Ruedi Stark aus Buhwil zusammen mit seiner Frau Margrit nach Sri Lanka geflogen. Sein Ziel: Eine Handwerkerschule aufbauen. Doch das Finden von Lehrlingen hat er sich einfacher vorgestellt.

Werner Lenzin
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Der Buhwiler Ruedi Stark (l.) zeigt in Sri Lanka das Mauern vor. (Bild: pd)

Der Buhwiler Ruedi Stark (l.) zeigt in Sri Lanka das Mauern vor. (Bild: pd)

BUHWIL. Schon seit längerer Zeit befasst sich der im vergangenen Sommer pensionierte Chefinstruktor der Maurerlehrhalle Sulgen, Ruedi Stark, mit dem Projekt «Handwerkerschule Trincomalee» in Sri Lanka. Dass aber die Realität vor Ort anders aussieht und Stark sowie seine Gattin Margrit zu Korrekturen zwingt, zeigen die ersten Erfahrungen. «Zusammen mit Priya Handy, dem Leiter des Baldäus College, entwickelten wir die Idee und schufen einen schönen Flyer», berichtet Stark. Im College fand man einen Ort, der Unterkunft, Verpflegung und Schulzimmer anbieten konnte. Mit dem Maurer Joel und einem einheimischen Theologen mit Englischkenntnissen fand der Buhwiler zwei Mitarbeiter.

Werbung in den Schulen

Nun fehlten lediglich noch die motivierten Lehrlinge. «Davon sollte es in Sri Lanka genügend geben», dachte sich der ehemalige Lehrlingsinstruktor. Doch da hatte er sich verrechnet. «Wir haben Schulen in der Umgebung besucht, Werbung gemacht und die Kirchen in Trinco informiert», so Stark. «Die werden erst kommen, wenn die Schule angefangen hat», meinte Priya Handy, denn man sei es in Sri Lanka gewohnt, dass die Regierung und Organisationen Versprechungen machen, die nicht eingehalten werden.

Beginn mit Rückschlägen

Im Mai eröffnete die Handwerkerschule mit drei Burschen aus einer Jugendgruppe einer Kirche in Trinco. Einige Tage später gesellten sich drei weitere Burschen dazu. «Einen davon mussten wir wegen Heimweh und psychischen Problemen heimschicken», bedauert Ruedi Stark. Ein anderer kam aus Kurunegalle mit seinem Vater angereist. Als er allerdings sah, wie die Lehrlinge an der Sonne arbeiten mussten, entschloss er sich, auf die Ausbildung zu verzichten. Ein weiterer Bursche verabschiedete sich mit den Worten: «Die Arbeit ist mir zu streng.» Nach zwei Wochen sind nun sechs Lehrlinge geblieben, alle zwischen 17 und 21 Jahren, Tamilen mit einem christlichen Hintergrund.

Krieg förderte Gleichgültigkeit

Es ist Ruedi Starks Ziel, die Ausbildung in englischer Sprache durchzuführen. «Damit wollen wir verhindern, dass Singhalesen oder Tamilen bevorzugt werden.» Um diesem Wunsch gerecht zu werden, wird ein zweisprachiger Bibelschüler die Aufgabe übernehmen. Sorge bereitet Stark die Tatsache, dass die angehenden Handwerker wenig schulische Kenntnisse mitbringen. «Während der Ausbildung lege ich Wert auf Umgang und Disziplin», so Stark. Mit der Pünktlichkeit und dem Anstand klappe es recht gut, doch immer wieder gebe ein gewisses Verhalten zum Staunen Anlass. Beispielsweise dann, wenn Lehrlinge sitzend zuschauen, wie ihre Instruktoren die Zementblocks aufeinanderschichten, anstatt wie angewiesen den Mörtel bereitmachen und die Kelle in die Hand nehmen. Eines ist für den Buhwiler sicher: «Es ist noch ein langer Weg, denn die srilankische Erziehung zur Abhängigkeit und zur Unselbständigkeit hat Langzeitwirkung. Zudem förderte der beinahe 30jährige Krieg die Gleichgültigkeit.» Doch Stark ist zuversichtlich und plant, im September die nächste Gruppe rekrutieren zu können.

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