BÜRGLEN: Hochburg der dekorierten Beizen

Gleich vier Bars und Restaurants im Dorf locken derzeit mit Mottos, Dekos und leicht bekleideten Serviceangestellten Gäste an. Konkurrenzdenken haben die vier Beizer nicht, die räumliche Nähe der Bars sehen sie als Vorteil fürs Geschäft.

Mario Testa
Drucken
Teilen
Bei Thomas Wirz und seinen Angestellten in der Black Angels Bar ist das Motto «Himmel und Hölle».

Bei Thomas Wirz und seinen Angestellten in der Black Angels Bar ist das Motto «Himmel und Hölle».

Mario Testa

mario.testa

@thurgauerzeitung.ch

Gleich neben dem Bahnhof geht’s los. In der Höfli-Bar herrscht Gefängnis-Atmosphäre. «Alcatraz» ist das Motto in der dekorierten Bar von Selina Signer. «Wir dekorieren immer, das hat Tradition», sagt die Pächterin. «Zwar kostet das etwas, aber dank der langen Fasnachtszeit von sechs Wochen holen wir das Geld wieder rein.» Dass gleich vier Bars dekoriert sind im Dorf, sei ein grosser Vorteil. «So gibt es eine Rotation unter den Gästen, sie spazieren von Bar zu Bar.»

Nach zwei Minuten Fussmarsch der Bahnhofstrasse entlang wartet die nächste dekorierte Bar auf die Besucher, die Plusko Bar von Alena Parsova. «Ich führe die Bar erst seit einem halben Jahr, mache also zum ersten Mal mit beim Dekorieren», sagt sie. «Bürglen ist bekannt für die dekorierten Bars, also bin ich auch mit dabei.» Mit ihren Kolleginnen vom Service hat sie ihre Bar eigenhändig nach dem Motto «Bike Girls» gestaltet. Mitten im Raum steht sogar eine echte Harley. «Meinen Gästen gefällt es. Ob es sich lohnt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Das zeigt sich dann nach der Bürgler Fasnacht am 5. März, wenn die Dekoration wieder runter kommt.»

«Sechs Wochen lang mal was anderes als sonst»

Einmal über die Hauptstrasse und schon stehen die Gäste in der nächsten dekorierten Bar. Thomas Wirz hat sie nach dem Motto «Himmel und Hölle» gestalten lassen. «Bisher haben wir selber dekoriert, dieses Jahr hab ich erstmals Profis dafür engagiert. Die haben das sehr zügig gemacht, und es sieht gut aus», sagt der Bar-Besitzer. «Wir machen immer mit bei diesem Brauch, weil es etwas Fröhliches ist.»

Viel nackte Haut gibt es in der Black Angels Bar abends jeweils das ganze Jahr zu sehen. Wirz’ Angestellte, die sich zwischendurch an der Pole-Dance-Stange räkeln, müssen sich daher nicht offenherziger zeigen als sonst. Dass gleich vier Bars in Bürglen dekoriert sind, findet auch Thomas Wirz gut. «Ich finde das eine lustige Zeit, sechs Wochen mal was anderes als sonst. Zudem gibt es dank kurzer Wege einige Gäste, die eine richtige Rundtour durch Bürglen machen.»

Diese Beobachtung macht auch Monika Signer vom Restaurant Freihof, der grössten aller Bürgler Fasnachtsbars mit langer Tradition. «Die Gäste machen wirklich manchmal die Runde von Bar zu Bar. Das nützt uns allen», sagt Signer. Im «Freihof» wird schon seit über 25 Jahren dekoriert zur Fasnachtszeit. Auch hier erledigen diesen Job unterdessen Profis. Sie haben den «Freihof» und den temporären Anbau auf der Terrasse des Restaurants in eine Après-Ski-Hütte verwandelt. «Auch wenn es etwas nachgelassen hat, läuft das Geschäft immer noch gut. Es lohnt sich für uns zu dekorieren», sagt Monika Signer.