BÜRGLEN: Harte Zeiten für die Sonarflieger

Susi Kreis von der Fledermaus-Notfallstation an der Maurenstrasse hat im Winter besonders viel zu tun. Werden Fledermäuse in ihrem Winterschlaf gestört, kann das für die geschützten Tiere fatale Folgen haben.

Hannelore Bruderer
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Fledermäuse ernähren sich von Insekten. Die gibt es im Winter aber nicht. Ihre Überlebensstrategie ist daher der Winterschlaf. (Bild: PD)

Fledermäuse ernähren sich von Insekten. Die gibt es im Winter aber nicht. Ihre Überlebensstrategie ist daher der Winterschlaf. (Bild: PD)

Hannelore Bruderer

weinfelden@thurgauerzeitung.ch

Am liebsten ist es Susi Kreis, wenn Fledermäuse erst gar nicht bei ihr in der Notfallstation landen. Durch Unachtsamkeit oder Unwissenheit ist es aber manchmal nötig, dass Fachleute Fledermäuse gesundpflegen müssen, bevor sie wieder in die Natur entlassen werden können. Werden die Nachttiere im Winterschlaf gestört, sind sie in Gefahr.

Beim Winterschlaf senkt sich nicht nur die Körpertemperatur der Tiere ab, auch ihr ganzer Stoffwechsel und die Blutwerte verändern sich. Die Frequenzen der Herzschläge und Atemzüge minimieren sich auf einige wenige pro Minute, die Tiere bewegen sich kaum noch. «In der Winterschlafphase sehen Fledermäuse deshalb manchmal so aus, als wären sie tot, das sind sie aber nicht», sagt Susi Kreis. «Fledermäuse ernähren sich von Insekten. Die gibt es im Winter aber nicht. Ihre Überlebensstrategie ist daher der Winterschlaf.»

Sie leben in Ritzen und Spalten

Anders als in den Vorstellungen vieler Menschen leben die heimischen Fledermausarten nicht in Höhlen. Für ihren Winterschlaf ziehen sie sich gerne in Holzbeigen, hinter Fassaden oder in Baumritzen zurück. «Es kommt vor, dass mit dem Cheminéeholz eine Fledermaus ins Haus getragen wird. In der Wärme erwacht sie aus ihrem Winterschlaf und beginnt zu fliegen», sagt Susi Kreis. «Fliegt die Fledermaus, verbraucht sie Energie, findet aber keine Nahrung. In einem solchen Fall sollte mit der nächsten Fledermaus-Notfallstation Kontakt aufgenommen werden», sagt sie. «Wir prüfen den Ernährungszustand der Fledermaus. Ist sie satt genug, kann sie wieder draussen eingewintert werden.»

Kleinere Fledermausarten halten ihren Winterschlaf auch häufig in Ritzen und Hohlräumen von Bäumen. «Wegen der Abwärme der Gebäude werden auch Spalten in Fassaden von Fledermäusen gerne zum Winterquartier erkoren. «Wir bitten deshalb alle, die Bäume zurückschneiden oder fällen oder Haussanierungsarbeiten ausführen, vorsichtig ans Werk zu gehen und sich bei einem Fledermausfund an uns zu wenden», sagt Susi Kreis.

Bisse können gefährlich enden

«Wenn man auf Federmäuse stösst, sollte man schauen, dass man nicht gebissen wird, sie können Krankheiten wie die Tollwut übertragen», sagt Kreis. Eine Fledermaus beisse aber nur zu, wenn sie sich bedroht fühle. Dies sei der Fall, wenn man sie anfasse. Ferner rät Susi Kreis von Fütterungsversuchen ab. «Wer den Tieren wirklich etwas Gutes tun will, soll ihnen einzig etwas Wasser hinstellen.»