Buchautor und Kartenzeichner

ARBON. Wandern ist seine Passion – und mit Akribie zeichnet er Wanderkarten von Hand: Der 72jährige Kesswiler Autor Hannes Stricker erzählte am Freitag im Kulturcinema von seinem Steckenpferd und Reminiszenzen aus seinem Leben.

Rudolf Steiner
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Eigenen Stil entwickelt: Wanderbuchautor Hannes Stricker (rechts) im Gespräch mit Gastgeber Jürg Niggli. (Bild: Rudolf Steiner)

Eigenen Stil entwickelt: Wanderbuchautor Hannes Stricker (rechts) im Gespräch mit Gastgeber Jürg Niggli. (Bild: Rudolf Steiner)

ARBON. Ein «Kriegsmodell» mit Jahrgang 1939 und ein richtiger Seebueb sei er, verriet der 72jährige drahtige ehemalige Primar-lehrer auf die behutsamen und einfühlsamen Fragen von Moderator Jürg Niggli. In Romanshorn mit drei Geschwistern aufgewachsen, bekam er die Kriegswirren auf der anderen Seite des Bodensees als kleiner Bub hautnah mit.

Kaminfeger oder KV-Lehre

Als es dann darum ging, die Weichen fürs spätere Leben zu stellen, sei er lange Zeit ratlos gewesen. So wurde er zum Berufsberater geschickt, was damals noch ein Privileg gewesen sei, so Stricker zu den drei Dutzend Gästen. «Mein Vater wollte mich eigentlich in eine Kaminfeger- und der Berufsberater in eine KV-Lehre stecken», antwortete Stricker auf die Frage von Niggli nach seinem beruflichen Werdegang.

Es kam aber alles ganz anders. Hannes Stricker besuchte das Lehrerseminar in Kreuzlingen und liess sich zum Primarlehrer ausbilden. «Damals konnte man die erste Stelle nach dem Abschluss noch nicht selber auswählen und so hätte ich eine Gesamtschule in Illhart mit 49 Kindern übernehmen müssen», so Stricker in seinen Erinnerungen kramend. Aber auch hier kam es anders und er musste «nur» eine 4. bis 8. Klasse mit 45 Schülern in Eggetsbühl bei Wängi übernehmen. «Geben sie den Schülern halt ab und zu eine Ohrfeige, wenn sie nicht gehorchen», habe ihm der Schulpräsident damals als Ratschlag mit auf den Weg gegeben.

Auch noch Begräbnissekundant

Als Dorflehrer sei er damals aber auch noch Zivilstandsbeamter und Helfer bei Beerdigungen gewesen. «Das erste habe ich natürlich gerne gemacht, das andere lag mir aber nicht besonders», bekannte er schmunzelnd. Zu dieser Zeit begann auch sein Engagement für die Natur. «Ich erlebte den Thurgau damals noch als intakte Naturlandschaft mit richtigen Naturwiesen und nicht nur mit so ökologischen Feigenblättern wie wir sie heute haben», gab der ehemalige grüne Kantonsrat ein eindeutiges Statement ab. Dieser Einsatz für die Natur wurde denn auch seine grosse Leidenschaft und bestimmte besonders seit seiner Pensionierung denn auch sein weiteres Leben und Wirken.

Selbstgestrickte Wanderbücher

Eine wichtige Facette seines Wirkens stellen natürlich seine handgeschriebenen und mit Zeichnungen ausgestatteten Wanderbücher dar. Mittlerweile kommt er mit der Produktion neuer und der Überarbeitung alter Wanderbüchlein kaum mehr nach. «Es wurden aber nicht alle Bücher ein Erfolg, so waren die beiden über die Komturei Tobel und den Pilgerweg ein Flop», sagte Stricker, der seit 50 Jahren als Wanderer in der Schweiz und dem benachbarten Ausland unterwegs ist.

Genau dieser Aspekt kam im Gespräch aber zu kurz, obwohl viele Besucher im Kulturcinema auf Stricker explizit wegen seiner in Büchern publizierten Erlebnissen auf dem Pilgerweg aufmerksam geworden sind.