BUCHACKERN: Sie trotzen jedem Wetter

Corinne und Harry Brägger teilen eine Leidenschaft. Sie haben sich den Islandpferden verschrieben. Auf ihrem Faxihof sind derzeit 14 Isländer untergebracht – allerdings nur Wallache, die Stuten sind zu zickig.

Viola Stäheli
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Corinne Brägger geniesst auf dem Faxihof die Gesellschaft der Islandpferde. (Bild: Andrea Stalder)

Corinne Brägger geniesst auf dem Faxihof die Gesellschaft der Islandpferde. (Bild: Andrea Stalder)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Faxi kaut entspannt an einigen Strohhalmen. Sein braunes Fell ist dick und weich – eine nahezu unwiderstehliche Einladung zum Streicheln. Er ist der Namenspatron des Faxihofs von Corinne und Harry Brägger. Zusammen mit weiteren 13 Islandpferden (siehe Infokasten) geniesst er hier sein Leben in vollen Zügen. Die Pferde werden auf dem Hof in der Herde gehalten. Der Stall ist offen, die Tiere können somit jederzeit raus. Entsprechend dick wird ihr Fell im Winter.

«Von den insgesamt 14 Isländern gehören vier uns», sagt Corinne Brägger, Besitzerin des Islandpferdebetriebs Faxihof. Die restlichen Tiere sind Pensionäre. Brägger nimmt ausschliesslich Islandpferde bei sich auf. Diese Pferde sind unkompliziert, wetterfest und genügsam. Das erleichtert die Haltung erheblich. «In den Anfangszeiten haben wir schon mit dem Gedanken gespielt, auch andere Pferde als Pensionäre aufzunehmen», sagt Brägger. Allerdings haben sie sich stets dagegen entschieden. Sie wollten auf ihrem Anwesen nur Isländer haben. Nicht zuletzt aus praktischen Gründen.

Beim Tölt besteht immer Bodenkontakt

Was ist an diesen Pferden denn so toll? Darauf gibt Brägger sofort eine Antwort: «Die Isländer haben einen speziellen Gang, den Tölt.» Diese Gangart kann mit der Sportdisziplin Walking verglichen werden. Die Pferde haben abwechslungsweise mit einem oder zwei Hufen Bodenkontakt, der Rücken bleibt dadurch ruhig. Der Reiter spürt so kaum Erschütterungen. «Und es sieht halt einfach cool aus», scherzt die Pferdeliebhaberin.

Corinne Brägger gibt Reitstunden und bietet Heilpädagogisches Reiten an. Die Isländer sind für solche Arbeiten speziell geeignet, da sie sehr geduldig sind. «Wer aber das Gefühl hat, dass es langweilig ist, einen Isländer zu reiten, täuscht sich», sagt Brägger. Die Pferde haben Temperament, sind gehfreudig und bereiten dem Reiter viel Spass. Sie sind auch für Turniere geeignet. Auf dem Faxihof stehen derzeit aber nur Freizeitpferde.

Mit zehn Jahren hat Corinne Brägger mit dem Reiten begonnen. «Ich habe ganz unterschiedliche Pferde geritten», sagt sie. 1997 kam sie zum ersten Mal mit einem Islandpferd namens Kommi in Kontakt. Erst war der Wallach ihr Pflegepferd, später übergab die Besitzerin ihn Brägger ganz. In dieser Zeit absolvierte sie ein Praktikum in Island auf einem Pferdehof. «Daraufhin hatte es mich völlig erwischt», erzählt sie. In der Folge arbeitete sie sieben Jahre im bekannten Schweizer Isländerbetrieb Hestar-Hof im Aargau, wo sie die Ausbildung zur Reitpädagogin und Reitlehrerin machte. Dort lernte sie ihren Mann, Harry Brägger, kennen. Nachdem die beiden ein Paar geworden waren, entschlossen sie sich, einen eigenen Hof zu suchen – idealerweise im Kanton Thurgau.

Stuten sorgen in der Herde für Unruhe

«Mit einer grossen Portion Glück sind wir schliesslich auf diesem Hof in Buchackern gelandet», sagt Brägger. So zügelte das Paar im Jahr 2005 mit drei Islandpferden ins Aach-Thur-Land. Vieles haben die beiden selbst umgebaut und renoviert. Kurze Zeit später schaffte sich das Ehepaar für die Reitstunden ein viertes Pferd an. «Nach und nach sind immer mehr Pensionäre dazugekommen», sagt Brägger. Zu Beginn haben sie alle Isländer genommen, mittlerweile sind aber nur noch Wallache willkommen.

«Stuten sind oft zickig, was vermehrt Unruhe in die Herde bringen kann», sagt Brägger. Unruhen sind in einer Herdenhaltung völlig normal; auch zwischen den Wallachen kann es zu kleinen Streitigkeiten kommen. Ohne die Stuten sind diese allerdings seltener. Mit Stuten hat die Herdenhaltung aber auch einen entscheidenden Vorteil: Die Tiere können ihr Sozialleben ausleben und sind ausgeglichener.

Faxi hat in der Zwischenzeit seine Strohhalme fertiggekaut. Neugierig blickt er Corinne Brägger an. Sie lacht und streicht ihm über seine dichte Mähne.