BUCHACKERN: Bauer Stump pflanzt Gold

In Buchackern baut Beat Stump als erster Thurgauer Quinoa an. Die Pflanze, die den südamerikanischen Andenvölkern schon seit 6000 Jahren als Grundnahrungsmittel dient, wird immer populärer. Hierzulande muss das Pseudogetreide seine Bewährungsprobe aber noch überstehen.

Donat Beerli
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So sieht Beat Stumps Quinoa-Saatgut aus. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

So sieht Beat Stumps Quinoa-Saatgut aus. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

BUCHACKERN. Beat Stumps Acker sieht aus wie jeder andere um diese Jahreszeit. Ein gleichmässiges Saatbeet, ein paar Spuren von wilden Tieren, hie und da ein Stein, der auf der Erde liegt. Doch unter der obersten Erdschicht verbirgt sich ein Samen, der in anderen Äckern nicht vorkommt: der Samen der Quinoapflanze – das Gold der Inkas. So wird das aus den Anden stammende Pseudogetreide (siehe Infokasten) bei uns gern genannt, welches in den letzten Jahren einen regelrechten Boom ausgelöst hat. Stump ist der erste Thurgauer, der Quinoa anbaut. «Es ist ein Versuch», sagt er, «aber ein vielversprechender.»

IP-Suisse setzt auf Quinoa

Dass der gelernte Zimmermann und Gemüsegärtner den glutenfreien Getreideersatz anbauen kann, verdankt er der Vereinigung integriert produzierender Bäuerinnen und Bauern (IP-Suisse), aber auch seiner Beharrlichkeit. Vor zwei Jahren startete IP-Suisse in Solothurn einen Anbauversuch mit Quinoa. Die Bilanz war durchzogen – Unkraut sorgte für Schwierigkeiten, insbesondere bei der Ernte und Trennung der Samen. Zugelassene Herbizide für die Pflanze gab es nicht. Trotzdem zeigten sich viele Landwirte an einem Anbau interessiert. Auch Stump war überzeugt: «Ich will bei diesem Trend dabei sein.»

IP-Suisse, welche die Samen an die Bauern verkauft, wollten zuerst nicht liefern: zu weit weg schien Stumps Hof, zu wenig Interesse zeigten Ostschweizer Abnehmer. «Es brauchte schon ein paar Telefonate», sagt Stump, der seit 25 Jahren IP-Suisse-Mitglied ist. Die Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt – vor zwei Wochen hat Stump die Quinoa-Samen erhalten. Letzten Donnerstag hat er vier Kilo davon gesät – auf einer Fläche von 25 Aren. «Nächstes Jahr werde ich es anders machen» weiss der 37-Jährige schon jetzt. Die Sämaschine müsse anders eingestellt werden als bei Weizen oder Raps, das benötige Know-how.

Vögel bereiten ihm Sorgen

Nun bleibt Stump nichts anderes übrig, als zu warten. «Wir sind der Laune der Natur ausgesetzt – aber das macht es ja spannend.» Ernten wird er seine Quinoa-Pflanzen im September – der Weg dahin ist lang. «Vögel sind das grösste Problem», sagt Stump, «sie werden die Pflanzen lieben.» Mit akustischen Signalen wird er daher versuchen, sie fernzuhalten. Wenigstens mit Unkraut muss er sich nicht herumschlagen – das Bundesamt für Landwirtschaft hat kürzlich ein Herbizid für den Quinoa-Anbau bewilligt.

Wohin Stump seine Ernte im September ausliefert, weiss er noch nicht. Westschweizer Abnehmer hat es genug, doch der Thurgauer würde lieber einen in der Ostschweiz finden. «Aus der Region für die Region wäre interessant», sagt er. Das Potenzial von Quinoa sei gross. «Vielleicht gibt es Thurgauer Quinoa bald schon in Ostschweizer Läden.»

«Ständig innovativ bleiben.» Beat Stump auf dem Acker in Buchackern, wo er als erster Thurgauer Quinoa anbaut. (Bilder: Reto Martin)

«Ständig innovativ bleiben.» Beat Stump auf dem Acker in Buchackern, wo er als erster Thurgauer Quinoa anbaut. (Bilder: Reto Martin)