Brunnen begrüssen den Frühling

BISCHOFSZELL. 22 Wasserspender in und rund um Bischofszell zeigen sich in den kommenden zwei Wochen in farbiger Blumenpracht. Der Brauch der Osterbrunnen hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert, als man für das Wasser noch dankbar war.

Andrea Kern
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Ein Holzhuhn legt grün-gelbe Eier, und Franziska Heeb, Mitglied des Seelsorgeteams, dekoriert den Brunnen auf dem Hofplatz. (Bilder: Reto Martin)

Ein Holzhuhn legt grün-gelbe Eier, und Franziska Heeb, Mitglied des Seelsorgeteams, dekoriert den Brunnen auf dem Hofplatz. (Bilder: Reto Martin)

Stein und Wasser. Viel mehr braucht es für einen Brunnen nicht. Und viel mehr bietet ein Brunnen auch selten. Anders sieht es in Bischofszell in den zwei Wochen um Ostern aus. 22 Wassertröge in und rund um das Städtchen zeigen sich im üppigen Pflanzenkleid, geschmückt mit Blumen und verziert mit Tierfiguren sowie farbigen Bändern. «Es ist uns wichtig, dass für die Dekoration Frühlings- und Ostersujets aufgenommen werden», sagt Claudia Predicatori, Osterbrunnen-Koordinatorin und Vizepräsidentin des Verkehrsvereins. «Hasen und Hühner sowie Blumen und Eier in frischen Farben.»

Einzigartig in der Ostschweiz

Seit 1998 werden in Bischofszell die Brunnen geschmückt. Dieses Jahr ist es das elfte Mal, denn früher war dies nur alle zwei Jahre der Fall, wie die frühere Koordinatorin Jacqueline Maurer erklärt. «Wir erhielten damals Reklamationen von Auswärtigen, die auch in den anderen Jahren extra hierherreisten. So merkten wir, dass der Anlass beliebt ist und auch besucht wird.»

Der Brauch der Osterbrunnen hat seinen Ursprung aber bereits im 19. Jahrhundert, als die Bevölkerung noch auf Quellwasser angewiesen war und aus Dankbarkeit die Brunnen verschönerte. «Mit dem Schmücken zur Osterzeit wird der Frühling willkommen geheissen», sagt Claudia Predicatori. In keinem anderen Ort in der Ostschweiz werde der Brauch so gepflegt wie in Bischofszell. «Es gibt aber auch nirgends so viele Brunnen wie hier», stellt sie fest.

Von Halden bis Stocken

Vom Hofplatz bis zum Obertor verteilen sich die blumigen Wasserspender in der ganzen Altstadt. Auch ausserhalb wie an der Schützengütli-, der Fabrik- und der Nordstrasse sowie in Stocken, Halden und der Thurfeldstrasse hat der Verkehrsverein Osterbrunnen gestalten lassen. Damit sich die Besucher nicht mit Brunnenwasser begnügen müssen, laden Cafés und Restaurants zum Verweilen ein – darunter auch einige, die sonntags normalerweise geschlossen haben.

Keine Abfallsäcke deponieren

Für jeden Brunnen sind ein Sponsor und ein Dekorateur verantwortlich. Mancherorts haben Gruppen oder Organisationen beide Aufgaben übernommen, wie für jenen auf dem Hofplatz, der zum ersten Mal vom Katholischen Seelsorgeverband Bischofszell-Sitterdorf-St. Pelagiberg gesponsert und verziert wird. Kinder und Erwachsene werken im, auf und neben dem Brunnen, stellen Weidenäste an die Wände, plazieren Holzhühner und hängen gelb-grün-weisse Eier auf. «Die Osterbrunnen sind ein christliches Symbol», sagt Franziska Heeb, Mitglied des Seelsorgeteams, und hängt ein weiteres buntes Ei an einen Ast.

Claudia Predicatori und Jacqueline Maurer hoffen nun auf sonniges und warmes Wetter und danken bereits jetzt allen, welche die Abfallsäcke vor allem in den kommenden zwei Wochen nicht bei den Brunnen deponieren.