Brüggli sagt Partnern danke

Integrationsarbeit braucht starke Partner: Rund 50 sozial engagierte Unternehmer waren im Rahmen einer Tagung im Sozialunternehmen Brüggli zu Besuch.

Drucken
Teilen

Romanshorn. Wer stellt jemanden ein, der psychische oder körperliche Probleme hat? Zahlreiche Partnerbetriebe von Brüggli, mehr als 250 in der ganzen Deutschschweiz, haben diese Frage für sich beantwortet. Rund 50 von ihnen tauschten sich im Brüggli über die Chancen und Herausforderungen aus und blickten auf einem Betriebsrundgang in sämtliche Ausbildungsbereiche von Brüggli. Grundtenor: Ein Handicap bedeutet nicht, dass jemand nicht gute Arbeit leisten kann.

Praktikum als erster Schritt

Brüggli-CEO Kurt Fischer und Markus Kümin, Leiter der Arbeitsassistenz, betonten, wie wichtig weitsichtige Partnerbetriebe für die Integrationsarbeit sind. Und so war die Partnertagung der ideale Rahmen, um den Partnerbetrieben danke zu sagen – besonders im Namen der Menschen, die nun wieder eine Perspektive haben.

Ein Praktikum in einem externen Betrieb ist der erste Schritt für die erfolgreiche Wiedereingliederung von Menschen mit Handicap in den Arbeitsmarkt. Sie können ihre Fähigkeiten in einem realen Arbeitsumfeld unter Beweis stellen. Auch der Arbeitgeber profitiert: Er lernt unverbindlich einen potenziellen Arbeitnehmer kennen. Dies funktioniert besonders im Ausbildungsverbund, wenn Brüggli-Lernende ihre Ausbildung – oder einen Teil davon – bei einem Partnerbetrieb absolvieren. Idealerweise werden aus solchen Kooperationen Festanstellungen und damit Beispiele für eine nachhaltige Integrationsarbeit.

In mehr als 20 Berufsfeldern

Brüggli verfügt mit der Arbeitsassistenz über einen eigenen Bereich mit Fachleuten, die in mehr als 20 Berufsfeldern aktiv sind und sich als Drehscheibe zwischen dem Sozialunternehmen und Partnern verstehen. In den letzten drei Jahren konnten über 130 Klientinnen und Klienten erfolgreich im ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Die Arbeit kommt Menschen mit psychischen oder körperlichen Schwierigkeiten in den unterschiedlichsten Situationen zugute – dem Mechaniker-Lernenden mit Konzentrationsschwierigkeiten ebenso wie dem verunfallten Maurer oder dem Kadermitarbeiter, der an Depressionen leidet.

Unterstützung am Arbeitsplatz

Die Betreuung und Begleitung vor Ort, direkt am Arbeitsplatz, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Supported Education nennt sich dies in der Fachwelt. Diese Form der Ausbildung und Unterstützung sei effizient, erläuterte Eva Deuchert, Direktorin des Center for Disability and Integration an der Universität St. Gallen. Sie verwies auf Studienergebnisse aus der Deutschschweiz. Allerdings sei es schwer, interessierte Unternehmen zu finden, trotz Anreizen und Sicherheiten für die Partnerbetriebe. Oft ginge vergessen, dass es auch aus wirtschaftlicher Sicht wertvoll sein könne, wenn qualifizierte Arbeitskräfte in den eigenen Reihen unterstützt würden. (pd)