BRANDSTIFTUNG: Beichtstuhl angefackelt

Dem Unbekannten scheint nichts heilig zu sein: Er zündet den Beichtstuhl in der katholischen Kirche Romanshorn an. Der Mesmer entdeckt den Brand eher zufällig. Ihm gelingt es, das Feuer zu ersticken.

Max Eichenberger
Drucken
Teilen
Der angesengte Beichtstuhl in der Katholischen Kirche Romanshorn. Nur dank des schnellen Einschreitens des Pfarrers konnte der Brand schnell gelöscht werden. (Bild: Max Eichenberger)

Der angesengte Beichtstuhl in der Katholischen Kirche Romanshorn. Nur dank des schnellen Einschreitens des Pfarrers konnte der Brand schnell gelöscht werden. (Bild: Max Eichenberger)

Seit Mittwochmittag ist die katholische Kirche auf dem Schlossberg wieder öffentlich zugänglich. Trotzdem ist es kein  normaler Tag. Nichtsahnende Kirchbürger nehmen nach dem Öffnen der schweren Türe beim Westeingang verdutzt Rauchgestank wahr. Am Vorabend hatte es im Kircheninnern ordentlich gequalmt. Eine unbekannte Person – es muss aber kein Einzeltäter gewesen sein – hat nach Einbruch der Dämmerung den Beichtstuhl in Brand gesetzt. Die Polizei geht von Vorsatz aus. 

Massivholz schwarz angesengt


Mutmasslich handelt es sich um dieselbe Person, die kurz zuvor im Robidog-Behälter beim Parkplatz auf der Schlosswiese gegenüber der Kirche ein Feuer entfacht hatte. Ein Passant, der den brennenden Behälter entdeckt hatte, alarmierte die Feuerwehr. Diese konnte es dann rasch unter Kontrolle bringen. 

Das war allerdings nicht der letzte Einsatz der Feuerwehr an diesem Abend. Kaum eingerückt, ging nämlich bei der kantonalen Notrufzentrale in Frauenfeld die Meldung ein, dass in der Kirche, in unmittelbarer Nähe des ersten Ereignisses, der Beichtstuhl brenne. «Ich habe meinen Rundgang gemacht, da habe ich den Brand entdeckt», berichtet Mesmer Markus Keel. Ihm war es dann selber gelungen, das Feuer bereits vor dem Eintreffen der Feuerwehr zu ersticken. Die Rauchentwicklung war jedoch beträchtlich. Mit einem Spezialgerät musste daraufhin die ganze Kirche entlüftet werden. 

«Es hätte schlimmer herauskommen können»


Am Mittwochmorgen machte der Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei vor Ort die Schadensaufnahme und sicherte Spuren. Jetzt laufen nach Auskunft von Matthias Graf vom Mediendienst der Kapo Thurgau die Ermittlungen. Abgeklärt werde, wie und womit der Beichtstuhl habe in Brand gesetzt werden können. Abgesehen vom Brandgeruch zeugen Spuren vom Ereignis, das die Polizei nicht als Lausbubenstreich abtut: Das Massivholz ist teilweise schwarz angesengt. «Glücklicherweise ist der Brand rasch entdeckt worden. Es hätte sonst mit massiven Russschäden schlimmer herauskommen können», sagt der Polizeisprecher. Es war Zufall – oder ein Wink von oben: Er habe ein Stossgebet ‘gen Himmel gerichtet, sagt der Mesmer, nachdem er «das Bedürfnis verspürt habe», den Rundgang zu machen.

Ein Beichtstuhl aus dem Inventar wird jetzt aktiviert


Der katholische Kirchenpräsident Thomas Walliser Keel ist froh über den glimpflichen Ausgang. Die Tatsache, dass jemand auf die Idee komme, einen Beichtstuhl anzuzünden, sei schlimm genug. Der kirchliche Betrieb kann Mesmer Markus Keel zufolge «normal weitergehen». Vorübergehend muss mehr gelüftet werden. Den brandversehrten Beichtstuhl werden Fachleute restaurieren. «Wir aktivieren aus dem Inventar jedoch einen anderen Beichtstuhl.» Keel hofft, dass in dieser Sache nichts überspannt wird und der Verursacher, was auch immer ihn angetrieben habe, ermittelt wird, «damit man ihn betreuen kann».