BOTTIGHOFEN: Träume verwirklichen – jetzt

Freche Gags, Schweizer Hits, liebenswert rebellische Figuren: Die Zentrumbühne Bottighofen bringt die Kultkomödie «Die Herbstzeitlosen» auf die Bühne. Der Vorverkauf ist eröffnet.

Dieter Langhart
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«Altweibersommer» in Bottighofen: Der Pfarrer will nichts wissen von der Reizwäsche, die seine Mutter Martha näht. (Bild: Reto Martin)

«Altweibersommer» in Bottighofen: Der Pfarrer will nichts wissen von der Reizwäsche, die seine Mutter Martha näht. (Bild: Reto Martin)

Dieter Langhart

dieter.langhart@thurgauerzeitung.ch

Reizwäsche in unserem Dorf? Kommt nicht in Frage, sagen der Pfarrer und der Gemeindepräsident, und sie sind mit ihrer Prüderie nicht allein. Aber auch die Witwe Martha ist nicht allein. Mit ihren drei Freundinnen Lisi, Frieda und Hanni stellt die frühere Schneiderin ihr Dorflädeli auf den Kopf, nennt es neu «Petit Paris», bietet sexy Unterwäsche an. Das war doch ihr Jugendtraum! Jeder und jede hat eine zweite Chance im späten Leben.

«Ich bin immer auf der Suche nach guten Geschichten, nicht nur am See-Burgtheater», sagt Regisseurin Astrid Keller. Astrid Keller ist Schauspielerin, Regisseurin und Co-Leiterin des See-Burgtheaters drüben in Kreuzlingen. Sie inszeniert zum vierten Mal an der Zentrumbühne, zuletzt 2014/15 «Irma la Douce». Damals hat die Zentrumbühne den Zweijahresrhythmus auf drei Jahre ausgeweitet. «So vermeiden wir Kollisionen mit der Operette Sirnach», sagt Produktionsleiter Fritz Wirz.
 

Zäuerli, alte Schweizer Hits und Tanzschritte

Was im Kino funktioniert hat, passt erst recht nach Bottighofen: die spritzige, das Leben bejahende Komödie um eine Rentnerinnengang. Stefan Vögel hat das Drehbuch von Sabine Pochhammer und Bettina Oberli zu einem Theaterstück umgeschrieben, zu «Altweiberfrühling». 2010 war die Uraufführung in Wien, zuletzt wurde es diesen September im Alten Kino Mels gegeben.

Jetzt ist Bottighofen dran. Und wie! Mit viel Livemusik, gespielt von Goran Kovacevic (acc), Andreas Bung (p) und Hartmut Heinzelmann (b), gesungen vom Chor Tägerwilen unter Claudia Hugentobler. Ergänzend zu den Zäuerli haben Volker Zöbelin und Goran Kovacevic alte Schweizer Hits aufgepeppt und arrangiert. Weil sie zum Stück passen und «weil sie helfen, die Umbauten zu untermalen», sagt Fritz Wirz. Die gut zwölf Szenenwechsel passieren vor offenem Vorhang. Die vier Holztürme lassen sich drehen, und flugs verwandelt sich der Kolonialwarenladen in die Dessous-Boutique. Das Bühnenbild aus Dorfplatz, Riegelhäusern und Säntis hat Astrid Kellers Mann Leopold Huber entworfen, gebaut hat es Jules Brenneis.

Im «Altweiberfrühling» wird gesungen, aber auch getanzt. Choreografin Sony Walterspiel will die Szenen mit Tanz unterstützen, «aber niemand muss irre Schritte wagen». Sie sind ihrer neun: hier fünf aufmüpfige Frauen, «verrückte Weiber, die wie Girlies sind» (Astrid Keller); da vier konservative Männer, die von der Schneiderin eine neue Fahne für den Männerchor erwarten und nicht Spitzendessous.
 

Ein Ehepaar zieht nicht am selben Strick

Das Ensemble ist seit fast einem halben Jahr an der Arbeit. Es war für einen einwöchigen Workshop im Bregenzerwald, jetzt wird es intensiver mit zwei bis drei Proben die Woche. «Eine gute Energie und Stimmung herrscht im Ensemble», sagt Astrid Keller.

Barbara Kesseli spielt Martha und betont die Motivation, etwas gemeinsam zu tun. René Walther, Gemeindepräsident von Münsterlingen mit Musicalerfahrung, mimt ihren Sohn, den Dorfpfarrer. Den Gemeindepräsidenten im Stück spielt Raphael Tanner. Trocken sagt er: «Jedes Stück braucht ein Arschloch – ich bin ein sympathisches.» Die Deutsche Gisela Stern Konrad hat für die Rolle der Lisi etwas Mundart gelernt, und Viola Seydel (Hanni) erfüllt sich mit dem Musical einen alten Traum. Das Ehepaar ­Josef und Lisa Mattle ist sich für einmal nicht grün: Er spielt Ernst, «einen griesgrämigen Alten», sie die lebensfrohe Witwe Frieda.

Premiere: Fr, 29.12., 19 Uhr Elf Aufführungen bis 26.1. Karten: vorverkauf@ zentrum­buehne-bottighofen.ch, ab 20.11. bei Starticket und Kreuzlingen Tourismus