BOTTIGHOFEN: «Roter Arnold» muss durchs Dorf

Die Bushaltestelle Turnhalle soll ab Fahrplan 2019 nicht mehr bedient werden. Die Einwohner haben dafür kein Verständnis und sammelten innert drei Wochen rund 300 Unterschriften dagegen.

Nicole D’orazio
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Einige Petitionäre warten für die Übergabe der Unterschriften an Gemeindepräsident Urs Siegfried (Vierter v. l.) bei der Haltestelle Turnhalle auf den Bus 908. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Einige Petitionäre warten für die Übergabe der Unterschriften an Gemeindepräsident Urs Siegfried (Vierter v. l.) bei der Haltestelle Turnhalle auf den Bus 908. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

An der Bushaltestelle «Turnhalle» in Bottighofen stehen rund 30 Personen. Der Chauffeur staunt nicht schlecht. Doch nur einzelne steigen ein. Die anderen wollten gestern Einigkeit demonstrieren. Dafür, dass der «rote Arnold», wie der Bus 908 genannt wird, auch nach dem Fahrplanwechsel 2019 mitten im Dorf halten soll. Denn die kantonale Abteilung für öffentlichen Verkehr beabsichtigt, die Haltestelle Turnhalle aufzuheben und dafür an der Hauptstrasse eine solche einzurichten, was bei den Anwesenden auf Unverständnis stösst.

Erich Schraner übergibt dem Gemeindepräsidenten Urs Siegfried einen grossen Umschlag mit einer Petition für den Erhalt der Haltestelle. «Wir haben innert drei Wochen rund 300 Unterschriften gesammelt. Spontan und in den Sommerferien», sagt er. Die Einwohner wollen, dass der Bus weiterhin durchs Dorf fährt. Das entspreche einem grossen Bedürfnis. «In der Nähe wird ein grosses Altersheim gebaut. Das wäre doch ein Blödsinn, wenn die Senioren weiter bis zum Bus gehen müssten. Zudem ist es gefährlich, die Hauptstrasse mit dem vielem Verkehr zu überqueren», sagt Schraner.

Die Hauptstrasse stellt ein grosses Problem dar

Hanspeter Burkard benützt den Bus oft. «Wenn ich älter bin, bin ich froh, wenn ich die Hauptstrasse nicht überqueren muss.» Florence Flömer sieht das gleich. «Mein Sohn fährt mit dem Bus zur Montessori-Schule in Konstanz. Für Kinder ist es zu gefährlich, an der Hauptstrasse alleine auf den Bus zu gehen.» Sabine Sahli schüttelt den Kopf. «Eine neue Haltestelle verursacht doch nur wieder Kosten. Man soll doch alles so lassen wie es ist. So ist es gut für alle», findet sie. Sie selber fahre oft mit dem «roten Arnold». Es gebe viele Leute, die auf ihn angewiesen seien, sagt Sahli. «Vor allem die künftigen Bewohner des Altersheims oder die Patienten, die hier zum Arzt gehen.»

Gemeindepräsident Urs Siegfried kennt die Problematik. Die Gemeinde wisse schon seit einem Jahr davon. Man habe während der Vernehmlassung auch fristgerecht Einsprache gegen die Verschiebung der Haltestelle gemacht, sagt er. Es hätte auch schon verschiedene Sitzungen mit Vertretern des Kantons gegeben. «Wir haben die Änderung mehrfach publiziert und sie kommuniziert, auch an der Gemeindeversammlung.»

Der Grund für die Streckenänderung seien die Zeit und der Umweg, welche die Route durchs Dorf verursacht. «Man will keine Stadtrundfahrt mehr machen und dafür mehr Zeit haben, im Stau zu stehen», meint er sarkastisch. Im neuen Fahrplan werde alles auf die Zugverbindungen ausgelegt. Beim Kanton interessiere es niemanden, dass viele Bottighofer mit dem Bus einfach nach Kreuzlingen wollen.

Die Gemeinde prüft bereits Alternativen

Siegfried dankt den Einwohnern für den Einsatz mit der Petition. Er befürchtet aber, dass es schon zu spät ist, da die Vernehmlassung im letzten Jahr stattgefunden hat. «Natürlich schauen wir bereits, ob es mögliche Alternativen gibt. Es geht dabei aber vor allem darum, wer diese finanziert», meint er. Ein zusätzliches, kleineres Fahrzeug müsste zum Beispiel die Gemeinde selbst bezahlen. Denn mit den grossen Bussen komme man kaum durchs Dorf. «Entschieden ist noch nichts.» Sowieso solle ihm zuerst gezeigt werden, wo der Bus an der Hauptstrasse halten soll.