BOTTIGHOFEN: Prüfung eines Autos dauert drei Stunden

An der GV des Festungsgürtels Kreuzlingen berichtete Kommandant Thomas Zehnder von den aktuellen Herausforderungen an der Grenze.

Werner Lenzin
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«Wir leben in einem neuen Zeitalter, wissen nicht mehr wie grosse Staatsmänner denken, und die Schweiz kann ihre Sicherheitspolitik nicht mehr alleine bewerkstelligen», sagte Vereinspräsident Josef Bieri zu den 108 Mitgliedern des Festungsgürtels Kreuzlingen. Erfreut zeigte er sich, dass der Verein um 73 Personen zugelegt hat und nun 633 Mitglieder zählt. Laut Vizepräsident Urs Ehrbar verzeichnete man in den Bunkeranlagen 1016 Besucher und am Tag der offenen Bunkertüre 600. «Besonders freut uns das zunehmende Interesse der Schulen und der Entscheid der Pädagogischen Hochschule, das Thema Festungsgürtel ins Weiterbildungsprogramm aufzunehmen», sagte Ehrbar. Zudem verfassten Studenten der Hochschule Architektur in Konstanz eine Arbeit über die künftige Nutzung der Bunker. Und Maturand Simon Weisskopf verfasste einen Bunkerführer. Einstimmig genehmigten die Mitglieder den Jahresbericht des Präsidenten, die Jahresrechnung 2016 und das Budget 2017.

Grenzlage rund um Kreuzlingen ist ruhig

«Weil wir keine Grossstädte haben, das Asylverfahren schnell verläuft und man bei uns kontrolliert wird, ist die Schweiz als Asylland nicht beliebt und wir verfolgen eine erfolgreiche Strategie», betonte der Kommandant der Grenzwachtregion II, Thomas Zehnder. Er bezeichnete die Lage im Grenzraum Kreuzlingen als ruhig. Man setze alles daran, dass Kreuzlingen nicht zum Transitort für Flüchtlinge werde. Neben den Zollaufgaben vollzieht das Grenzwachtkorps über 160 Gesetze und Verordnungen. «Mitunter geht es meist um Sicherheitsbereiche, die für uns alle selbstverständlich sind.» Die Zollverwaltung nimmt rund 40 Prozent der Bundeseinnahmen ein. Darum ist das Grenzwachtkorps dem eidge- nössischen Finanzdepartement unterstellt.

Laut Zehnder beinhaltet eine Kernkompetenz der Grenzwächter die Tätigkeit in der Dokumentenerkennung. Sichtbar präsent ist das Korps an den grossen Übergängen und dort, wo Verzollungen vor Ort angeboten werden. Sorge bereitet dem Kommandanten, dass in den Kantonen Zürich, Schaffhausen und Thurgau viele Feldwege durch geteerte Strassen ersetzt wurden. «Heute passiert in Kreuzlingen in Spitzenzeiten alle zwei Sekunden ein Auto die Grenze. Da genau die Richtigen zu kontrollieren, ist eine Herausforderung.» Alleine am Übergang Konstanz müssen monatlich 435 Zoll- und Mehrwertsteuerbussen ausgestellt werden, davon 42 bei einem Warenwert von über 2000 Franken. «Wir müssen schlau kontrollieren. Das seriöse Überprüfen eines Personenwagens benötigt bis zu drei Stunden.» Auch die Suche nach Flüchtlingen sei heikler und aufwendiger geworden.

Werner Lenzin

kreuzlingen

@thurgauerzeitung.ch