BOTTIGHOFEN: Betreutes Wohnen in einer schwierigen Situation

In der Wohngemeinschaft Mühligässli finden Erwachsene mit Hirnschädigung ein Zuhause.

Drucken
Teilen
Yvonne Preiss, Martin Leuch und Isabelle Wepfer. (Bild: Urs Brüschweiler)

Yvonne Preiss, Martin Leuch und Isabelle Wepfer. (Bild: Urs Brüschweiler)

Auch die acht Frauen und Männer der Wohngemeinschaft Mühligässli (WGM) waren in Partystimmung und haben sich vom Feuerwerk des Seenachtfestes verzaubern lassen. Sie genossen das Spektakel am Hafen von Bottighofen, weil dieser nur fünf Gehminuten von ihrer WG entfernt ist und weil sie dort von den Kids des Leichtathletik-Clubs Bottighofen fröhlich bewirtet wurden, wie es in einer Mitteilung heisst. Die WG Mühligässli ist im Dorf bekannt durch den Trainer und Gründer des LCB, Hansjörg Keller. Er bildet mit seiner Partnerin, Gudrun Heck, Ärztin für Neurologie und Rehabilitation, die Geschäftsleitung der Stiftung.

Jedes Jahr erinnern sich die älteren Bewohner der WGM an Christoph, der im August 2000 am Seenachtfest von Jugendlichen brutal zusammengeschlagen worden war. Nach Akutspital und Rehaaufenthalt wurde er in der WG Mühligässli betreut, weil er durch die schweren Kopfverletzungen sein Gedächtnis verloren hatte. Nach intensivem Alltagstraining konnte Christoph nach zwei Jahren die WG verlassen und kann heute mit Unterstützung ein weitgehend selbstständiges Leben führen.

Aus der WGM zum Bottighofener Hafen gekommen ist an diesem Seenachtfest Claudia. Sie hat als Teenager durch einen Verkehrsunfall eine schwerste Hirnverletzung erlitten und kann seither wegen wackliger und zittriger Bewegungen mit ihren Händen nicht mehr gezielt greifen. Sie ist im Alltag auf Unterstützung angewiesen. Neben ihr sass Heinz, der vor seinem schweren Quad-Unfall mit Hirnquetschung Autohändler und Familienvater war. Mit dabei war auch Andi. Vor vielen Jahren hat er eine spontane schwere Hirnblutung erlitten.

Eine Hirnschädigung ändert das Leben innert Minuten

Das Leben all dieser Menschen, aber auch ihrer Familien und Freunde, hat sich durch eine Hirnschädigung innert Minuten komplett verändert. Viele bange Stunden und Tage vergehen mit Ringen um Leben und Tod. Lange Spital- und Rehaaufenthalte fordern von den hirnverletzten Patienten und ihren Behandelnden maximalen Einsatz. Daneben stehen die Sorgen der Angehörigen: Wie geht es weiter? Wohngruppen und Heime können Hilfe und Entlastung bieten. In der WG Mühligässli wird jeder gefördert und leistet seinen Beitrag zur Hausgemeinschaft. In der WG ist aktuell ein Platz für betreutes Wohnen frei. (red)

www.stiftung -wgm.ch