Bon bittet Hess um Geduld

ROMANSHORN. Dem Amriswiler Unternehmer Hermann Hess geht es mit seinem Hafenprojekt viel zu langsam. Stadtpräsident David H. Bon versteht die Ungeduld. Schneller könne er aber nicht machen.

Markus Schoch
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David H. Bon Stadtpräsident von Romanshorn (Bild: Nana do Carmo)

David H. Bon Stadtpräsident von Romanshorn (Bild: Nana do Carmo)

Zeit ist Geld, das weiss David H. Bon nur zu gut. Und er ist sich auch bewusst, wie viel die Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS) mit Hermann Hess an der Spitze in den letzten Jahren zur Belebung des Hafens beigetragen hat. Zuletzt vor einem Monat mit der Eröffnung des Restaurants, das die neue Attraktion in Romanshorn ist.

Heikle Lage

Und trotzdem: Er könne deswegen nicht einfach alle Verfahrensgrundsätze über Bord werfen, nur damit Hess schon morgen sein Hotel auf dem ehemaligen Güterschuppenareal bauen könne, sagt Bon. Vor allem deswegen nicht, weil Hess das gleiche Parteibuch wie er habe und der Standort das städtebaulich heikelste Areal in Romanshorn sei. «Die Lage ist sehr gut, aber gleichzeitig auch sehr schwierig in Bezug auf das Ortsbild.»

Die Stadt müsse sich aufgrund dieser besonderen Situation gut überlegen, wie sie das Filetstück von Romanshorn weiter entwickeln wolle – und nach welchen Regeln. Schnellschüsse könne sie sich nicht erlauben. Wenn die Stadt die Sache nicht sorgfältig und sauber angehe, würden ihr am Schluss mit Sicherheit die Stimmbürger einen Strich durch die Rechnung machen, ist sich Bon sicher. Und das könne auch nicht im Interesse von Investoren wie Hess sein, die vorwärts machen wollten.

Wettbewerb zwingend

In einem so genannten Werkstattverfahren mit internen und externen Fachleuten sowie Vertretern der Bevölkerung soll jetzt das weitere Vorgehen in Bezug auf das ehemalige Güterschuppenareal festgelegt werden. Dabei geht es auch um den Bau eines Hotels, für den es nach Meinung von Bon zwingend ein Architekturwettbewerb braucht. Im Detail würden sich knifflige Fragen stellen, die jetzt geklärt werden müssten. Beispielsweise: Soll die Stadt Land an einen Hotelinvestor verkaufen oder es bloss im Baurecht abgeben? «Es wird sicher kontrovers», sagt Bon.

Der Stadtpräsident will mit den Workshops wenn immer möglich noch in diesem Jahr beginnen. «Es ist seit dem Frühling alles parat. Wir haben klare Vorstellungen.» Was noch fehlt, sind die nötigen personellen Kapazitäten. «Die Diskussionen brauchen Zeit», sagt Bon. Solange er und seine Mitarbeiter diese nicht hätten, gehe es nicht los.

Anderes hat Priorität

«Wir müssen zuerst die Richtplanung abschliessen und das Bau- und Zonenplanverfahren anstossen.» Zudem würden die Eingaben und Mitwirkungsverfahren im Zusammenhang mit dem Agglomerationsprogramm laufen. Der Zeitdruck dort sei gross, da der Bund Termine setze. «Wir sind spät eingestiegen und müssen uns jetzt beeilen.» Bon hofft auf Verständnis bei Hess. Und dass er noch ein paar Monate bei der Stange bleibt, bis klar ist, wie die genauen Bedingungen auf dem ehemaligen Güterschuppenareal sind.

Hess sei der ideale Investor für die Stadt, sagt Bon: Er sei ein erfolgreicher Unternehmer, was er nicht zuletzt in Romanshorn bei der SBS bewiesen habe. Und er bringe Erfahrung im Hotel-Business mit. Ihn als Interessenten zu verlieren, würde Bon sehr bedauern. Zumal die SBS bei allen Veränderungen am Hafen als direkte Anstösserin immer ein gewichtiges Wort mitreden könne.