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Blüemlipädagogik und die unbekannte Eisenbahn

Interessante und kuriose Anekdoten der Thurgauer Schulgeschichte erzählten Hans Weber und Damian Miller am Sonntag im Schulmuseum Mühlebach. Mehr als zwei Dutzend Besucher erfuhren so, was es mit der «Blüemlipädagogik» auf sich hat, und dass eine Schulreise auch mal länger als einen Tag dauern konnte.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Hans Weber und Damian Miller erzählen Thurgauer Schulgeschichte. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Hans Weber und Damian Miller erzählen Thurgauer Schulgeschichte. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

AMRISWIL. «Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer», sagt Museumsleiter Hans Weber bei seiner Begrüssung. Rund 30 Besucherinnen und Besucher sind an diesem Sonntag ins Schulmuseum Mühlebach gekommen. Damian Miller, Dozent für Pädagogik und Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, und Hans Weber, ehemaliger Lehrer und Rektor an der Kantonsschule Romanshorn, erzählen viel Interessantes und auch Kurioses aus der Schulgeschichte. Seit vier Jahren verfassen die beiden für das Thurgauer Schulblatt regelmässig Beiträge zum Schwerpunktthema der jeweiligen Nummer.

Wann soll die Schule beginnen?

Einst wurden die Kinder nur im Winter unterrichtet. Das Schuljahr begann im Spätherbst, meist am Martinstag, 11. November, und dauerte ungefähr bis Ostern. Ende des 18. Jahrhunderts wurde vermehrt während des ganzen Jahres Schule gehalten. Die Diskussionen um den richtigen Termin für den Schuljahresanfang begannen.

Die Anhänger des Frühlingsbeginns verwiesen immer wieder auf das Aufwachen der Natur. Damian Miller spricht von der «Blüemlipädagogik» – dem Schulbeginn im Frühling, wenn die Blumen blühen. Mit der eidgenössischen Volksabstimmung im Herbst 1985 gelang die Vereinheitlichung – der Schulbeginn nach den Sommerferien.

Schulreisen als Kulturschock

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es die Schulreisen. Mehrtägige Wanderungen führten gelegentlich auch nach Deutschland. Für einige Kinder bedeuteten diese Ausflüge aber einen Kulturschock, denn viele von ihnen hatten zuvor noch nie eine Eisenbahn gesehen. Oftmals wurde den Schülern auf ihren Reisen auch ein überfülltes Programm geboten. «Eine Schulreise wurde zum Kulturmarathon», erzählt Hans Weber.

Schulreisen wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts meist von der Schulbehörde und den Eltern begleitet. «Es war wie ein Gemeindeausflug», erinnert sich Hans Weber selbst noch an diese Zeiten.

Schule seit 1833 obligatorisch

Solange es noch keine obligatorische Schulpflicht gab, bestimmten die Eltern, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken möchten. Mit dem Schulgesetz von 1833 wurde im Thurgau die obligatorische Schulpflicht eingeführt. Über die gleichzeitig auch geschaffenen Schulbehörden erhielten die Eltern neue Mitwirkungsrechte im Schulgeschehen. So wurden von 1869 bis 1978 sogar die Lehrer vom Volk gewählt, wobei es oft auch zu Kampfwahlen kam.

Mit der Entwicklung der Industrialisierung wurde deutlich, dass für die ausserhäusliche Kleinkindbetreuung eine Institution nötig wurde – der Kindergarten. Das Konzept geht auf Friedrich Fröbel zurück. Er sah im Spiel des Kindes eine eigene Bildungsform.

In städtischen Verhältnissen entstanden im Thurgau nach 1860 die ersten Kindergärten, in den ländlichen Gegenden aber erst hundert Jahre später. In beiden Fällen kamen diese durch private Initiative von fortschrittlichen Männern und jungen Müttern zustande und wurden erst später von den Schulgemeinden übernommen.

Führungen im Schulmuseum

Das Schulmuseum Mühlebach ist auf private Initiative hin entstanden und wird durch ehrenamtliche Mitarbeitende geführt. Die Öffnungszeiten sind am Sonntag- und Mittwochnachmittag von 14.00 bis 17.00 Uhr. Führungen für Schulklassen und Gruppen sind jederzeit auf Voranmeldung möglich.

www.schulmuseum.ch

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