BISCHOFSZELL: Töne aus früheren Jahrhunderten

Das Quantett Johannes Kobelt ist eine musikalische Garantie für ein begeistertes Publikum. Das war auch am Sonntagabend im Bischofszeller Rathaus nicht anders.

Christof Lampart
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Das Quantett Johannes Kobelt ist unter anderem für den Einsatz alter Instrumente bekannt. (Bild: Christof Lampart)

Das Quantett Johannes Kobelt ist unter anderem für den Einsatz alter Instrumente bekannt. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung

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Ob es an den meteorologischen Aussichten lag – es war für den Konzertzeitpunkt Eisregen in der Region angesagt – muss offengelassen werden. Tatsache war jedoch, dass das Konzert des Quantett Johannes Kobelt, dass innerhalb der «Literaria»-Kulturreihe gegeben wurde, keineswegs ausverkauft war. Und bei normalen Verhältnissen ist das beim spielenden «Instrumentenmuseum», welches sich aus Katharina Kobelt, Adrian Bodmer und Johannes Kobelt zusammensetzt, der Fall.

Gitarre aus dem Jahr 1580 gespielt

So waren es dieses Mal nur etwas über 40 Personen, die in den Genuss eines ebenso hochwertigen wie unterhaltsamen Konzerts kamen. Dieses stand unter dem Motto «MusiCapriolen» und bestand aus einem «musikalischen Gourmenue in fünf Gängen», nämlich «Suisse», «Russe», «Classique», «Jazz» und «Hongroise». In diesem programmatischen Potpourri stellte das Trio die meisten seiner 23 Instrumente vor. Darunter befanden sich eine venezianische Gitarre aus dem Jahr 1580, eine Guarneri-Geige sowie für hiesige Ohren Exotisches wie beispielsweise eine Bass-Balalaika oder eine Domra.

Was folgte, war auf zweierlei Art bemerkenswert. Zum einen schöpfte das Quantett aus einem reichen musikalischen Fundus, der aus den bereits erwähnten, fünf Musikstilen bestand. Das Besondere dabei war, dass das Ensemble innerhalb der verschiedenen Musiken immer wieder andere «crossoverte». Heisst: Da wurde zwar ein Werk von Johann Sebastian Bach originalgetreu wiedergegeben, zwischen den einzelnen Sätzen (Allemande, Sarabande und Gavotte) jedoch Folkloristische und Jazziges eingefügt. Das forderte die Zuhörerschaft heraus und verleitete diese dazu in Kopf und Herzen selbst dazu «musikalische Querverbindungen» von der einen zur anderen «guten Musik» herzustellen.

Hochstehendes Niveau von A bis Z

Denn an einem mangelnde es keinem der zahlreichen vorgetragenen Werke, die Titel wie «Die Lerche», «Sommer-Csardas», «Christoph Columbus» oder «De Geige-Käthi-Schottisch» trugen, also kaum jemanden bekannt gewesen sein dürften, wenn man nicht dem Quantett Johannes Kobelt schon vor dem Bischofszeller Auftritt intensiv zugeneigt gewesen war, mitnichten: an der musikalischen Qualität. Und zwar sowohl an der des Materials als auch der Aufführenden. Denn was das Trio auf den wirklich unterschiedlichsten Instrumenten an musikalischem und virtuosem Niveau vorzuweisen hatte, ist etwas, was man heutzutage nur noch ganz selten zu hören bekommt. Das Publikum dankte dem Ensemble nach eineinhalb Stunden Musik am Stück mit einem langen Applaus, worauf sich dieses mit einer schönen Zugabe gelungen revanchierte.

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