BISCHOFSZELL: Steinige Wege

Die Rosenstadt hat Probleme mit Strassen. Eine rutscht weg, zwei andere entpuppen sich als schwere Geburt, und die dritte lässt gar seit Jahrzehnten auf sich warten.

Georg Stelzner
Drucken
Teilen

Georg Stelzner

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Die Stadt Bischofszell hat nicht nur ein Verkehrs-, sondern auch ein Strassenproblem. Das ist keine neue Erkenntnis, doch dieses Jahr ist es zu einer Zuspitzung ­gekommen – und die Zeit drängt.

Der Dauerbrenner schlechthin ist die Suche nach einer technisch möglichen und finanzierbaren Entlastung der Altstadt. Diese Suche dauert seit Jahrzehnten an. Im Zuge der jüngsten Vernehmlassung sind weitere Anregungen aufs Tapet gekommen. Es gibt inzwischen gefühlte tausend potenzielle Linienführungen. Selbst Fachleute bekunden Mühe, die Übersicht zu behalten.

Am Freitag vor Weihnachten hat der Stadtrat die Causa mit Regierungsrätin Carmen Haag besprochen. Nach Einschätzung von Stadtpräsident Thomas Weingart läuft alles auf eine Entscheidung zwischen einer Ost- und einer Westvariante hinaus. «Ziel ist es, eine Variante festzusetzen, damit im Rahmen der Ortsplanung klar ersichtlich ist, wo die Entlastung dereinst stattfinden wird», führt Weingart aus.

Zäher Kampf gegen die Naturgewalten

Über die Stadtgrenzen hinaus hat dieses Jahr ein anderes Problem für Aufsehen gesorgt. Die ­Haldenstrasse kommt nicht zur Ruhe: Der Berg bricht weg, und die Thur nagt am Fuss des labilen Hanges. Es droht eine Rutschpartie mit unabsehbaren Folgen. Die Einwohner Haldens haben ihre direkte Verbindung nach Bischofszell verloren und fühlen sich im Stich gelassen. Eine subjektive Wahrnehmung zwar, die den Stadtrat gleichwohl unter Druck setzt. Dabei schien eine Lösung in Griffweite. Da musste der Kreditantrag unmittelbar vor der Gemeindeversammlung im Juni zurückgezogen werden. Ein weiteres Gutachten hatte neue Erkenntnisse zutage gefördert.

Im Hinblick auf die Sanierung spricht der Kanton inzwischen von einem Strassenbauprojekt, was die finanzielle Belastung ­Bischofszells signifikant erhöht. Für den Stadtpräsidenten hat ein Aspekt einen ganz hohen Stellenwert: die Nachhaltigkeit. «Wir brauchen für diese Strasse eine Lösung, die mindestens 50 Jahre Bestand hat», betont Weingart.

Ein Schicksal auf der langen Bank blüht auch dem Bahnübergang Sulgerstrasse. Die geschlossene Barriere ist – in Kombination mit dem unübersichtlichen Strassenverlauf – ein grosses Ärgernis. Bischofszell kann sich die alleinige Finanzierung der Neugestaltung nicht leisten und pocht wegen der Kiestransporte auf eine Kostenbeteiligung Hohentannens. Der Stadtpräsident hat keine Illusionen: «Ich rechne nicht mit einer baldigen Lösung.»

Und wie sieht es beim Thema «Verlängerung der Laubeggstrasse» aus? Nach einigem Hin und Her hat die Gemeindeversammlung den nötigen Kredit Ende November bewilligt. Aufatmen ist im Stadtrat aber trotzdem nicht angesagt. Von Seiten der Projektgegner drohen Einsprachen . . .