BISCHOFSZELL: Spitalkompanie verarztet am Bahnhofplatz

Wer wissen wollte, wie man am besten einen Druckverband anlegt, der konnte sich an die Spitalkompanie 75/1 wenden. Sie zeigte der Bevölkerung auf dem Bahnhofplatz ihr Können.

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Auch Stadträtin Helen Jordi will sich von der Leistungsfähigkeit der Spitalkompanie überzeugen und lässt sich einen Verband anlegen. (Bild: Christof Lampart)

Auch Stadträtin Helen Jordi will sich von der Leistungsfähigkeit der Spitalkompanie überzeugen und lässt sich einen Verband anlegen. (Bild: Christof Lampart)

Stadträtin Helen Jordi liess es sich nicht nehmen, selbst einmal bei der Truppe vorbeizuschauen, denn «es ist meines Wissens das erste Mal, dass wir eine Spitalkompanie hier haben. Da bin ich gerne gekommen, zumal wir ja auch eine entsprechende Einladung erhalten haben und zum anderen ich in meinem Ressort für die Katastropheneinsätze und den First-Responder-Dienst zuständig bin», so Jordi.

In 30 Minuten bereit

Helen Jordi war bei weitem nicht die Einzige, die sich am frühen Abend auf dem Bahnhofplatz einfand, um einmal zu sehen, wie die Spitalkompanie 75/1 sich im Ernstfall verhalten würde. Eine Spitalkompanie ist eine Einheit, die kämpft, schützt und hilft. Dabei ist sie schwergewichtig auf den Betrieb eines Militärspitals, auf das Betreiben von eigens aufgebauten Pflegestationen oder in der Unterstützung von zivilen Spitälern aktiv. Und wie schnell wäre die Spitalkompanie einsatzbereit, wenn beispielsweise auf dem Bischofszeller Bahnhofplatz ein Unglück passierte? Die Antwort: ziemlich schnell. Laut dem Kommandanten der Spitalkompanie 75/1, Hauptmann Martin Erne, «können wir in einer Turnhalle bis zu 100 Patienten in fünf Stationen aufnehmen». Doch auch wenn keine vorherige Planung möglich ist, sind die Angehörigen der Spitalkompanie von der schnellen Truppe. «Wenn wir wissen, wo was passiert ist, dann sind wir in der Lage innert 30 Minuten von null auf die Aufnahmebereitschaft für zwei Patienten herzustellen», so Erne weiter.

Ein gutes Gefühl vermittelt

Diese Effizienz, gepaart mit medizinischer Fachkenntnis fällt an diesem Abend vielen positiv auf. Und so bleiben denn auch viele Passanten spontan beim einen oder anderen Soldaten stehen und lassen sich etwas erklären, den Blutdruck messen oder – zum Schrecken der Familie oder des Freundes – eine heftige Fleischwunde aufmalen. Wer wollte, konnte selbst einmal Hand anlegen, indem er oder sie versuchte, eine Person zu reanimieren, eine Herz-Rhythmus-Massage durchzuführen oder bei einer Verbrennung oder einem Hitzeschlag die richtigen Behandlungsschritte zu tun. Erstaunlich ist, dass an diesem Abend viele Junge Halt machen, manche sogar extra deswegen gekommen sind – wie Romina Neff aus Freidorf. «Ich habe davon in der Zeitung gelesen, und es hat mich einfach einmal wundergenommen, was hier so geboten wird», erklärt sie lachend, während eine klaffende Wunde aus Wachs und Farbe ihren Unterarm ziert, die ein Sanitäter ihr aufgemalt hat.

Ein älteres Paar schaut vorbei, «weil zwei unserer Söhne auch Ärzte sind. Da interessiert einen halt so was.» Und auch die vom Militär eingerichtete Festbeiz läuft rund. Kurzum: Es herrschte ein gemütliches Treiben, das zugleich beste Imagewerbung für die Schweizer Armee war und gleichzeitig bei den zahlreichen Besuchern gelungen das Gefühl vermittelt wurde, dass diese «im Falle eines Falles» bestens gerüstet wäre.

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung.ch