BISCHOFSZELL: Pippo Pollina in Bischofszeller Bitzihalle

Mit der Verpflichtung von Pippo Pollina ist dem Kulturverein Literaria ein Coup gelungen. Der gebürtige Sizilianer, einer der bedeutendsten italienischen Liedermacher der Gegenwart, gibt am Samstag in einer Woche ein Konzert in der Bitzihalle.

Georg Stelzner
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Pippo Pollina stellt den Machthabern kein gutes Zeugnis aus und sorgt sich um den Weltfrieden. (Bild: PD)

Pippo Pollina stellt den Machthabern kein gutes Zeugnis aus und sorgt sich um den Weltfrieden. (Bild: PD)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Pippo Pollina, die Arena von Verona war ebenso schon Ihre Bühne wie das Zürcher Hallenstadion. Was führt Sie nun in eine kleine Stadt wie Bischofszell?

Es ist meine Verbundenheit mit der Kleinkunstszene in der Schweiz. Sie hat mir die Basis für meine Karriere gegeben. Als unbekannter Künstler habe ich vor 30 Jahren so angefangen. Das war ein ganz wichtiger Schritt für mich, und wenn ich heute in Orten wie ­Bischofszell und vor einem zahlenmässig kleineren Publikum auftrete, dann ist das auch ein Dankeschön dafür, dass ich diese Chance damals bekommen habe.

Sie gastieren am 11. November nicht das erste Mal in Bischofs­zell. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Auftritt in der Rosenstadt und mit welchen Gefühlen kehren Sie jetzt zurück?

Ich komme gerne nach Bischofszell, denn ich verbinde mit meinem ersten Auftritt vor zehn Jahren schöne Erinnerungen. Es war ein warmer Sommerabend und das Konzert fand unter freiem Himmel statt. Ich halte mich überhaupt sehr gerne im Thurgau auf, denn hier treffe ich Leute, die ich auch persönlich kenne.

Legen Sie Wert darauf, jene Städte, in denen Sie auftreten, näher kennen zu lernen?

Ja, das ist mir schon wichtig. Ich versuche immer, mir vor einem Auftritt Zeit für einen Spaziergang durch jenen Ort zu nehmen, in dem das Konzert stattfindet. Das gehört für mich dazu.

Sie treten in Bischofszell im Quartett auf. Wer sind die drei Kollegen und welche Instrumente kommen zum Einsatz?

Es sind dies meine Landsleute Roberto Petroli, der Klarinette und Saxofon spielt, und der Gitarrist Michele Ascolese sowie der ­Percussionist Joscha Dutli, der gewissermassen den Schweizer Beitrag verkörpert. Ich selber werde am Piano zu hören sein und auch Gitarre spielen.

Ihr neues Album trägt den Titel «Il sole que verrà». Stellen Sie es uns bitte kurz vor. Worüber handeln Ihre neuen Lieder?

Es sind 13 Werke, die sich mit dem Thema «Hoffnung» befassen. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass unser Leben immer von Hoffnung begleitet wird. Sie stellt ein Gegengewicht zu einer fatalistischen Weltsicht dar.

Ändert sich für Sie etwas, wenn das Publikum nicht aus mehreren tausend, sondern «nur» aus einigen hundert Zuhörern besteht?

Nein, es sind unterschiedliche Erfahrungen, und deshalb nehme ich auch keine Wertung vor. Wie jeder Künstler freue ich mich ­natürlich, vor vielen Leuten auftreten zu können. Das ist jedes Mal ein spezielles, sehr intensives Erlebnis. Genauso lieb ist mir ­jedoch die kleinere Bühne, auf der ich meine Karriere begonnen habe. Für mich ist beides gleich schön und gleich wertvoll.

Wie bereiten Sie sich auf den Auftritt in Bischofszell vor?

Ich werde am frühen Nachmittag in Bischofszell eintreffen und mit meinem Team die Technik in der Halle vorbereiten. Diese Zeit reicht. Mehr ist nicht nötig. Nach dem Konzert werde ich nicht gleich abreisen, sondern in Bischofszell übernachten.

Ihnen eilt der Ruf voraus, ein gesellschaftskritischer Künstler zu sein. Welchen Stellenwert haben politische Botschaften in Ihren Liedern?

Einen grossen. Ich würde es als absurd empfinden, mein Leben passiv verstreichen zu lassen, ohne zu wichtigen Fragen unserer Zeit Stellung zu nehmen. Die Aus­ein­andersetzung mit politischen Themen ist ein bedeutender Bestandteil meines Schaffens.

Einem Grossteil des Publikums dürfte aber die Musik doch wichtiger sein als die Texte. Stört Sie das?

Da muss ich widersprechen. Ich bin überzeugt, dass mein Publikum durchaus Wert darauf legt, den Inhalt der Lieder zu kennen. Ich trage auch dazu bei, indem ich Erklärungen zu den Texten abgebe. Meine Fans wissen also sehr wohl, worüber ich singe. Und das ist mir sehr wichtig.

Wie ist es Ihrer Einschätzung nach um den Frieden, die Freiheit und die Menschenrechte in der Welt bestellt?

Ich muss gestehen, dass ich diesbezüglich pessimistisch bin. Wir leben in einer Zeit, in der grosse Mächte ihre eigenen Prioritäten setzen – ohne Rücksicht auf den Rest der Welt. Sie setzen die Zukunft des Planeten aufs Spiel. Das macht mir Angst. Ich versuche, mit meinem kulturellen Engagement darauf hinzuweisen. Künstler spielen schon eine gewisse Rolle, und sie können vielleicht auch einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten. Die Illusion, dass meine Kollegen und ich die Situation grundlegend ändern können, habe ich aber nicht.

Wann ist ein Konzert für Sie ein Erfolg? Wovon hängt das im Wesentlichen ab?

Es gibt mehrere Faktoren, die ­dafür verantwortlich sind. Ich wünsche mir, dass mein Konzert die Zuhörer begeistert und dass sie anschliessend glücklich nach Hause gehen. Wichtig ist natürlich auch, dass es für den Veranstalter stimmt. Auch er soll zufrieden sein. Mir persönlich ist es ein ­Anliegen, dem Publikum einen Auftritt auf künstlerisch hohem Niveau bieten zu können.

Konzert und Ticketverkauf

Pippo Pollina tritt am Samstag, 11. November, in der Bitzihalle auf. Konzertbeginn ist um 20.15 Uhr. Tickets gibt es unter info@literaria.ch und bei «Bücher zum Turm», Marktgasse 2, in Bischofszell.