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BISCHOFSZELL: Machtkämpfe sind sinnlos

Michael Gretler und Jeremias Frei sprachen an einer Veranstaltung der Elternschule über die Pubertät.
Werner Lenzin

«Es wird einiges laufen während der Pubertät, und darüber werden Sie heute Etliches erfahren.» Mit diesen Worten begrüsste Michael Gretler die Zuhörer. Er ist im Kinderschutzzentrum St. Gallen tätig. Als Coach und Super­visor unterstützt er dabei Menschen, Herausforderungen zu meistern und ihre Lebensziele zu verwirklichen. Jeremias Frei arbeitet seit 13 Jahren in der Jugendarbeit. Er ist überzeugt davon, dass die Jugendlichen ihre Probleme selber lösen müssen, und ihm fällt auf: «Jugendliche sind schnelllebig und verfügen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.»

Mit der Pubertät kommt Chaos ins Leben, eine geballte Ladung von Problemen. Frei definiert die Krise als Verlust des emotionalen Gleichgewichts. «Wer die Krise nicht meistert, könnte einen Identitätsverlust ­erleiden. Dies bedeutet eine hohe Belastung, einen entscheidenden Lebensabschnitt, der formt», ­erklärte Frei. Für ihn ist die Krise bestimmend für die Persönlichkeitsentwicklung und sie trägt viel zur Entwicklung bei. Im Zentrum stehen dabei immer wieder Fragen wie: Wer bin ich? Kann ich etwas oder versage ich?

Herz und Verstand sind gleich wichtig

Gemäss den Ausführungen der beiden Sozialpädagogen helfen längerfristige Problemlösungen, welche die Ressourcen aktivieren und die aus Erfahrungen heraus gewachsen sind und etwas entwickeln. Aber wie lassen sich diese aktivieren? Zum einen über den Verstand mit der Lektüre von Büchern und mit dem Reden darüber. Aktiviert werden Ressourcen aber auch über das Herz: das Weinen, das Sich-Zurückziehen und die Aussage «Ich finde keine Worte». Dies sind laut Gretler und Frei positive Bewältigungsstrategien. Ein dritter wichtiger Bereich beinhaltet das Handeln gemäss der Devise «Jetzt muss es vorwärts gehen». Die Pubertät ist ein Entwicklungs- bzw. Ablösungsprozess, bei dem eine Beziehungsform aufgegeben wird (die Geborgenheit, die Innigkeit innerhalb der Familie), um eine neue zu suchen. Es braucht für die neue Begegnung als Erwachsene und für das Neue den Trennungsschmerz der Ablösung.

Die Sozialpädagogen raten: «Bei Konflikten sollte man nicht in einen Kampf ziehen. Machtkämpfe führen nicht zum Ziel, denn mit dem Beweisen von Macht kommt keine Entwicklung zustande.» Den Eltern empfehlen sie, Jugendlichen genau ­zuzuhören. Die Jugendlichen brauchen Raum und Zeit für Erfahrung und Entwicklung. Beim Umgang mit Emotionen ist es wichtig, dass die Eltern authentisch bleiben und sich beispielsweise bei den Jugendlichen auch entschuldigen können.

Werner Lenzin

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

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