BISCHOFSZELL: Heutige Route ist vom Tisch

Bisher ist nur der Hang gerutscht. Jetzt kommt auch Bewegung in die Frage, wie die Haldenstrasse ­saniert werden könnte. Der Stadtrat macht Nägel mit Köpfen und lässt über zwei Varianten abstimmen.

Georg Stelzner
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Im Bereich des Hangrutsches ist die Haldenstrasse nur noch für Fussgänger und Velofahrer passierbar. (Bild: Andrea Stalder)

Im Bereich des Hangrutsches ist die Haldenstrasse nur noch für Fussgänger und Velofahrer passierbar. (Bild: Andrea Stalder)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Stadtpräsident Thomas Weingart sprach an der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend im Rathaus vor dicht besetzten Sitzreihen Klartext. Bei der Lösung des Problems mit dem Hangrutsch darf man kein Wunschkonzert erwarten, fasste er die Ausgangslage zusammen. Entscheidend seien vielmehr Kriterien wie Kosten, Landverbrauch, Lebensdauer, Unterhalt, Sicherheit, Verkehrsberuhigung, Fahrzeit und – nicht zuletzt – die Wahrscheinlichkeit einer Realisierung.

Zwei Experten, der Bauingenieur Klemen Vehovec und der Geologe Alfred Zaugg, stützten mit ihren Ausführungen die ­Entscheidung des Stadtrates Bischofszell, den Stimmbürgern an der Gemeindeversammlung vom 14. Juni 2017 zwei Varianten zur Abstimmung zu unterbreiten. Der Stadtrat wolle mit diesem aussergewöhnlichen Vorgehen einer langen Variantendiskussion vorbeugen, sagte Weingart.

Als realistisch erweisen sich nur zwei Varianten

Nachdem der Stadtrat eine erste Kreditvorlage zur Sanierung im Juni 2016 zurückgezogen hatte, weil sich die geplante Methode aufgrund neuer Erkenntnisse als untauglich erwies, wurde die Projektierung in der Folge nochmals von Grund auf überprüft. Es kristallisierten sich dabei vier mög- liche Varianten heraus, die durch eine Arbeitsgruppe bewertet wurden. Zwei Optionen erwiesen sich wegen der fehlenden Nachhaltigkeit respektive der zu hohen Kosten bald als illusorisch: die Sanierung der Haldenstrasse auf ihrer heutigen Linienführung und die Errichtung einer neuen Brücke über die Thur.

Die zwei realistischen Möglichkeiten erläuterte Stadtrat Boris Binzegger. Eine Variante sieht vor, die Oberhaldenstrasse von der Kreuzung in Hackborn bis zur Einmündung in die Dorfstrasse zu sanieren. Gleichzeitig würde die heutige Haldenstrasse auf einem bestimmten Abschnitt im Rutschgebiet zurückgebaut. Sie stünde Wanderern und Rad- fahrern aber weiterhin zur Verfügung. Eine Etappierung wäre gut möglich. Vehovec bezifferte den finanziellen Aufwand – je nach Ausbau – mit 1,1 bis 1,6 Millionen Franken und den Realisierungszeitraum mit ein bis drei Jahren.

Bei der zweiten vom Stadtrat vorgeschlagenen Lösung würde eine neue Strasse durch das ­Gebiet Waldwis gebaut. Für die dortigen Weiher, die unter Naturschutz stehen, müsste ein Ersatzstandort gefunden werden. Auch bei dieser Variante käme es zum Rückbau der Haldenstrasse im Bereich des Hangrutsches. Laut Vehovec müsste man mit Kosten von circa 1,8 Millionen Franken und einer Realisierungszeit von zwei bis vier Jahren rechnen.

Die Verhältnismässigkeit muss gewahrt sein

Während der Diskussionsrunde kam es zu zahlreichen Wortmeldungen. Dabei wurde ersichtlich, dass die Meinungen unter den direkt betroffenen Leuten, nämlich den Einwohnern Haldens, alles andere als einheitlich sind. Ein Bürger wollte wissen, weshalb sich der Kanton Thurgau an den Sanierungskosten nicht beteiligen müsse. Boris Binzegger begründete dies mit dem Umstand, dass der Hangrutsch nicht von der Thur verursacht werde. «Es handelt sich daher um ein kommunales Strassenbauprojekt.»

Thomas Weingart räumte ein, dass ihm die Sanierung der bestehenden Strasse am liebsten gewesen wäre. «Bei einer Lebensdauer von höchstens 20 Jahren ergibt eine Investition von rund 2,7 Millionen Franken aber ebenso wenig Sinn wie der Bau einer neuen Thurbrücke, die etwa 14 Millionen Franken kosten würde.» Alfred Zaugg erklärte, dass die Variante mit einer alternativen Linienführung über das Gebiet Waldwis aus geologischer Sicht am geeignetsten wäre.