BISCHOFSZELL: Giftige Hinterlassenschaft

Geschossen wird im Gebiet Breite schon lange nicht mehr. Auf die einstige 300-m-Anlage weist nur noch der Kugelfang hin. Er ist mit Blei und Antimon kontaminiert. Die Sanierung kommt die Stadt teuer zu stehen.

Georg Stelzner
Drucken
Teilen
Die Natur hat vom Kugelfang Besitz ergriffen; der Wall ist das letzte sichtbare Relikt der früheren 300-Meter-Schiessanlage. (Bild: Georg Stelzner)

Die Natur hat vom Kugelfang Besitz ergriffen; der Wall ist das letzte sichtbare Relikt der früheren 300-Meter-Schiessanlage. (Bild: Georg Stelzner)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Aus der Portokasse zahlt das keine Gemeinde: Fast eine Million Franken wird die Sanierung des Kugelfangs der ehemaligen 300-Meter-Anlage kosten. Bischofszell muss zwar nicht für die gesamten 942000 Franken allein aufkommen, aber selbst nach Abzug der Beiträge von Bund und Kanton verbleiben 337000 bis 474000 Franken. Lange Zeit lassen darf man sich nicht. Die Gewährung von Subventionen ist an Fristen gebunden, wie Stadtpräsident Thomas Weingart erklärt: «Bis Ende 2020 müssen wir beim Kanton ein Sanierungsprojekt einreichen, und bis 2025 muss die Sanierung erfolgen.»

Der Stadtrat hat sich im April dieses Jahres für eine Totalsanierung des Kugelfangs entschieden, zumal der finanzielle Mehraufwand laut Weingart höchstens 40000 Franken beträgt. Zudem ist die Kostenbeteiligung des Bundes bei einer Teilsanierung ungewiss, und der Standort würde auch weiterhin im Kataster für belastete Böden aufscheinen. «Wir fänden es nicht richtig, nachfolgenden Generationen ein solches Erbe zu hinterlassen», sagt Weingart. Unterschätzen dürfe man die Gefahr nicht. Der Scheibenstand der ehemaligen 300-Meter-Anlage befinde sich an einem Ort, wo es bei starken Niederschlägen viel Oberflächenwasser gibt, welches über das Wiesland abfliesst. Der seit etwas mehr als zwei Jahren amtierende Stadtpräsident vermutet, dass die hohen Kosten mit ein Grund waren, dass die Sanierung nicht schon früher an die Hand genommen wurde.

Im Gebiet Breite kam es zum Interessenkonflikt

Das Schiessen im Gebiet Breite hatte in Bischofszell eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1807 zurückreichte. Mit der kontinuierlichen Ausdehnung des Siedlungsgebiets wurde der Standort gegen Ende des 20. Jahrhunderts wegen der Lärmemissionen jedoch immer problematischer.

Am 28. November 2007 beschloss der Stadtrat, die Schiessanlage Breite vollständig aufzuheben. Für den Rückbau und die Sanierung der zwölf 300-Meter-Scheiben und der zwölf mobilen Scheiben für die Pistolenanlage wurde im gleichen Jahr ein Gutachten erstellt. Die 50-Meter-Anlage für die Sport- und Pistolenschützen musste den Betrieb per Ende Oktober 2008 einstellen; die ­Anlage wurde zwei Jahre später abgebrochen und das Gebiet saniert. Die 300-Meter-Anlage war damals bereits stillgelegt.

Die Stadt Bischofszell löste das Problem, indem sie sich in der Schiessanlage der Nachbargemeinde Niederbüren einkaufte. Diese Regelung ist bis heute in Kraft, nachdem die Gemeindeversammlung 2010 einen Beitrag von 400000 Franken an die Errichtung einer neuen Schiessanlage oberhalb des Weilers Muggensturm abgelehnt hatte.

Das Ende des Schiessbetriebs wirkte sich auch auf den Zonenplan aus. Die Umzonung des betreffenden Gebiets von der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in eine Wohn- und Gewerbezone (WG2 ) wurde im November 2010 gutgeheissen.