BISCHOFSZELL: Ganz schön verrückt

Seit mehr als drei Jahrzehnten beleben die Situ-Narren die fünfte Jahreszeit in der Rosenstadt. Dazu gehört die Herausgabe der «Giftsprütze». Das humoristische Organ verschont auch grosse Namen nicht.

Georg Stelzner
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Pink von der ersten bis zur letzten Seite: Die Bischofszeller Fasnachtszeitung «Giftsprütze» fällt auch farblich auf. (Bild: Mario Testa)

Pink von der ersten bis zur letzten Seite: Die Bischofszeller Fasnachtszeitung «Giftsprütze» fällt auch farblich auf. (Bild: Mario Testa)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

So lustig die Lektüre einer Fasnachtszeitung ist, so mühsam gestaltet sich bisweilen ihre Herstellung. «Ich mache mir das ganze Jahr über Notizen, bekomme aber auch Tips und Anregungen aus der Bevölkerung», erklärt Markus Fäh das Vorgehen. Er ist seit 2016 Präsident der Situ-Narren und gestaltet mit Urs Brunschwiler und Reto Meier, der die Zeichnungen beisteuert, die Fasnachtszeitung «Giftsprütze». Über humorvolle Leute, welche die Situ-Narren in diesem Bereich künftig unterstützen möchten, würde sich Fäh freuen.

Die grossteils in Versform verfassten Texte entstehen laut Fäh aus Gründen der Aktualität im letzten Quartal eines Jahres: einerseits in den Herbstferien, anderseits an zwei Arbeitswochenenden. Bis Weihnachten müsse alles fix und fertig sein, damit der Druckauftrag rechtzeitig vor dem Höhepunkt der Fasnacht erteilt werden kann, sagt Fäh.

Politiker geraten ins Visier der Zeitungsmacher

Die Entscheidung, welche Stoffe verarbeitet und abgedruckt werden, sei manchmal eine Gratwanderung, räumt Fäh ein. Es gelte, von Fall zu Fall abzuwägen, was den Lesern, vor allem aber den auf die Schippe genommenen Personen zugemutet werden kann. Pietätlose und die Würde eines Menschen verletzende Beiträge fänden keine Berücksich- tigung. Privatpersonen würden eher verschont als zum Beispiel Politiker oder andere Leute des öffentlichen Lebens. Fäh bescheinigt den Bewohnern der Stadt und der Region eine gesunde Portion Humor. Er weiss inzwischen: «Manche fühlen sich sogar geehrt, wenn sie in der Fasnachtszeitung erwähnt werden.»

Dennoch sei man einmal in die Bredouille geraten. «Vor 25 Jahren ist ein Betroffener gerichtlich gegen uns vorgegangen und hat mittels superprovisorischer Verfügung die Verbreitung der Fasnachtszeitung verbieten lassen», erzählt Fäh. Diese Reaktion habe das Interesse an der «Giftsprütze» emporschnellen lassen, erinnert sich Fäh. Es sei aber der einzige derartige Fall gewesen, betont der Situ-Präsident. In Fasnachtshochburgen wie Basel und Luzern seien die Gerichte dies-bezüglich nachsichtiger.

Zu den beliebtesten Rubriken der «Giftsprütze» gehören die «Fragen an Radio Situan» und «Wetten, dass . . .». Sie sind schon seit längerer Zeit fixer Bestandteil der närrischen Gazette. Gespannt ist die Öffentlichkeit Jahr für Jahr auf die Wette. Heuer wird Matthias Gehring herausgefordert. Die Situ-Narren wetten mit dem Gemeindepräsidenten von Hauptwil-Gottshaus, dass er es nicht schaffen wird, mit einigen Marvel Girls am Umzug teilzunehmen. Sollte es dem Erfinder des Glace-Roboters Marvel Boy trotzdem gelingen, wird er zu einem Abendessen eingeladen.

Fasnachtsanlässe

2. März: Kornhallenfasnacht; 3. März: Maskenball im Bistro zu Tisch, Kornhallenfasnacht, Beizenfasnacht mit Guggen und Schnitzelbänken; 4. März: Fasnachtsumzug (ab 14.45 Uhr), dann Kindermaskenball in der Korn-halle und Kornhallenfasnacht.