BISCHOFSZELL: Flicken statt wegwerfen

Das «Repair Café» ist in die zweite Runde gegangen. Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Herbst hat sich die Aula Sandbänkli wiederum in eine kunterbunte Werkstatt verwandelt.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Im Repair Café wird Kaputtes repariert statt weggeworfen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Im Repair Café wird Kaputtes repariert statt weggeworfen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Wer Kaputtes reparieren lassen statt wegwerfen will, ist hier am richtigen Ort: Im Bischofszeller «Repair Café» wird lädierten Dingen neues Leben eingehaucht. Die Palette der reparierbaren Gegenstände reicht vom Bügeleisen, das nicht heizt, über die Lampe, die nicht leuchtet, bis hin zum Hosensaum, der gerissen ist.

Zum zweiten Mal hat am Samstag in der Aula Sandbänkli eine Repair-Veranstaltung stattgefunden – erstmals im vergangenen September. Das Grundprinzip lautet: Der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken, indem kaputte Gebrauchs- und Alltagsgegenstände repariert anstatt weggeworfen werden.

Beatrice Hässig hat eine Basttasche mitgebracht, bei welcher der Lederhenkel ausgerissen ist. Während die Nähma­schine rattert, erzählt die Haupt­wilerin, dass die Tasche ein Ferien-Erinnerungsstück sei. Sie gehöre ihrer Nichte Regula, führt sie aus. Beatrice Hässig hat schon im September das Repair Café besucht. Denn nicht alle Leute wollen Kaputtes wegwerfen, meint sie und sagt: «Im Herbst liess ich eine Lampe flicken, und sie funktioniert immer noch.»

Mittlerweile ist die Tasche geflickt. Überglücklich nimmt die Kundin das Ferien-Erinnerungsstück entgegen. Mit einem dankbaren Lachen sagt sie: «Ich komme gerne wieder mal hierher.»

Ein Treffpunkt, um auch Kontakte zu pflegen

Eine zerbrochene silberne Tortenschaufel hält Ursula Fasciati in den Händen. Den Griff habe sie vor etwa zwei Monaten abgebrochen. «Ich weiss selber nicht, wie mir das passieren konnte», äussert sich die Frau aus Bischofszell. Die Tortenschaufel gehöre einer Kollegin – ein Erbstück ihrer Mutter, stellt sie klar. Nun hoffe sie sehr, das Besteckteil lasse sich reparieren. Sie begrüsse es, dass eine solche Veranstaltung angeboten werde, sagt Fasciati. Es sei auch ein Treffpunkt, um Kontakte zu pflegen.

Eine bunte Mischung von insgesamt 18 freiwilligen Helferinnen und Helfern hat ihren Weg ins Repair Café gefunden – darunter Elektriker, Schreiner, Handarbeitslehrerinnen und eine Buchbinderin. Während Sandra Sauder auf defekte Bilderrahmen oder Bücher wartet, die es zu flicken gilt, poliert sie eine alte Silberkanne. Die Buchbinderin aus Bischofszell liebt alte Gegenstände. Bei ihr landen ausgediente Dinge nicht so schnell im Müll. «Ich mag es, Kaputtem oder Altem zu neuem Leben zu verhelfen.» Es gebe unbegrenzte Möglichkeiten. So könne beispielsweise eine Zuckerdose zweckentfremdet und als Aufbewahrungsgefäss für Büroklammern verwendet werden, erklärt sie. Das Repair Café sei eine gute Idee, denn die meisten kaputten Sachen könne man funktionstüchtig machen. Im Repair Café wird aber nicht nur Kaputtes repariert. Bei Kaffee und Kuchen werden Tipps ausgetauscht, und es wird über besonders knifflige Fälle gefachsimpelt.

Auch die zweite Auflage des Bischofszeller «Repair Cafés» sei ein voller Erfolg gewesen. Während fünf Stunden konnten insgesamt 56 von 92 gebrachten Gegenständen instandgestellt werden – davon sehr viele Elektrogeräte wie Staubsauger und Kaffeemaschinen. «Wir hatten sogar noch mehr Besucherinnen und Besucher als im Vorjahr», zeigt sich Thomas Sutter, Initiant des Repair Cafés, zufrieden.