BISCHOFSZELL: Ein Unikum im Thurgau

Seit Beginn des neuen Schuljahres ist der 45-jährige Magnus Jung aus Mauren der Leiter Pädagogik in der Volksschulgemeinde. Sie hat als erste im Kanton diese Stelle geschaffen.

Werner Lenzin
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Magnus Jung hat mit dem Beginn dieses Schuljahres die Leitung Pädagogik der Volksschulgemeinde Bischofszell übernommen. (Bild: Werner Lenzin)

Magnus Jung hat mit dem Beginn dieses Schuljahres die Leitung Pädagogik der Volksschulgemeinde Bischofszell übernommen. (Bild: Werner Lenzin)

Werner Lenzin

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

«Meine Vorgänger in der Behörde der Volksschulgemeinde Bischofszell haben diese Funktion geschaffen. Dies mit dem Gedanken, die sieben Schulleiter zu ­entlasten und die strategischen Arbeiten klar zu trennen», betont Corinna Pasche, seit dem 1. August Präsidentin der VSG Bischofszell. Sie findet es eine gute Lösung, dass Magnus Jung den pädagogischen und einen Teil des operativen Bereichs übernimmt, und ist froh über diese Unterstützung. Dass es sich bei dieser Aufgabe um ein Novum handelt, macht das Ganze für die Behörde und den neuen Inhaber der Funktion spannend, und man möchte auch bewusst eine Vorreiterrolle spielen mit diesem Pilotprojekt. «Ich erwarte, dass Magnus Jung die Schule weiterentwickelt und ihr ein klares Profil gibt, von dem letztlich das Kind und die Schulqualität profitieren werden», sagt Pasche.

Sich den Veränderungen anpassen

Und weshalb hat sich der aus­gebildete Sekundarlehrer und frühere Schulleiter in Sulgen Ma­gnus Jung für diese 60-Pro­zent-Stelle entschieden? Wohin möchte er mit den 1200 Schülern, den 160 Lehrpersonen und den sieben Schulleitern der VSG gehen? «Die Bildung von Kindern und Jugendlichen ist für mich wichtig, und ich möchte den roten Faden vom Kindergarten bis zur Sekundarschule weiterziehen», erklärt Jung. Seine Arbeit basiert auf einem «Funktionsbeschrieb Leitung Pädagogik», den die frühere Behörde erarbeitet hat. Dass die Schule nicht stehenbleiben darf und sich den stetigen Veränderungen der Umwelt anpassen will und muss, ist für die Präsidentin und den Inhaber der Funktion Pädagogische Leitung wichtig. Auch für die elf Schulstandorte der VSG Bischofszell sind die Ansprüche der Gesellschaft komplexer geworden. «Ich will diese unterschiedlichen Ansprüche entgegennehmen, analysieren und gemeinsam mit den Schulleitern nach stimmigen Lösungen suchen, die in das ganze Gebilde passen», sagt Jung.

Seine Aufgabe sieht er im Gestalten von Entwicklungsvorhaben, im Skizzieren von Lösungsvorschlägen und in standort­übergreifender Unterstützung. Momentan ist er daran, die Schule kennen zu lernen.

Umgang mit Ansprüchen

Neueste Recherchen von SRF 1 zeigen, dass schweizweit jede dritte Lehrperson Burn-out-gefährdet ist. Diese Meldung ist für den strategischen und den operativen Bereich erschreckend und hängt – so Pasche und Jung – zusammen mit dem Wandel der Gesellschaft, die sich stark individualisiert hat. Die Lehrpersonen müssten in ihrer Profession lernen, mit diesen Ansprüchen umzugehen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, und sich abgrenzen von Sachverhalten, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Volksschule stehen, sind Pasche und Jung überzeugt.

Und welches sind die wichtigsten Punkte für die kommende Zeit? Als wichtigste Punkte sieht der Leiter Pädagogik die Umsetzung des Lehrplans Volksschule Thurgau mit seinem Paradigmenwechsel und mit dem er­warteten Unterrichtsverständnis. Priorität hat für ihn aber auch die Unterstützung und Begleitung aller Schüler mit ihren verschiedenen Bildungshintergründen und die sich abzeichnende Heterogenität in den Schulen. Ferner stellt sich die Frage nach der Überprüfung der Wirkung von persönlichen, personellen und finanziellen Ressourcen für die Schüler. «Wir wollen, dass sie möglichst lange ihre natürliche Neugierde und den Drang nach Lernen behalten, und sorgen für viele Erfolgserlebnisse auf verschiedenen Ebenen. Schliesslich bereiten wir die Lernenden am Schluss ihrer Schulzeit auf den Einstieg ins Berufsleben vor», betont Jung. «Es gilt, die Schule den Ansprüchen von heute anzupassen und periodisch zu überprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind», so Pasche. Sie wünscht sich, dass die Lehrpersonen der VSG Bischofszell mit Freude in die Schulhäuser kommen und ihre Lebensfreude auf die Schüler übertragen. Zudem soll für die Präsidentin die neugeschaffene Stelle aber auch Auswirkungen zeigen auf den Unterricht und das einzelne Kind.

An einem zweitägigen Strategieseminar im Oktober in Appenzell sollen nebst der Behörde und der Leitung Pädagogik auch die Schulleiter mit im Boot sein.

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