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BISCHOFSZELL: Ein böses Erwachen

Gerade halten Fledermäuse Winterschlaf. Wegen der Kälte erwachen aber viele zur Unzeit und scheitern nicht selten daran, sich ein neues Versteck zu suchen. Franziska Heeb kümmert sich um sie.
Tobias Bolli
Bloss nicht aufwecken: Das Grosse Mausohr befindet sich im Winterschlaf. (Bild: PD/Matthias Keller)

Bloss nicht aufwecken: Das Grosse Mausohr befindet sich im Winterschlaf. (Bild: PD/Matthias Keller)

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

Sie machen einen Drittel aller Säugetierarten der Schweiz aus, halten uns Mücken und Marienkäfer vom Leib und tönen auf ihrer Frequenz so laut wie ein Presslufthammer. Fledermäuse sind faszinierende Tiere – aber auch äusserst anfällig. «Viele dürften gerade zur Unzeit aus dem Winterschlaf geweckt werden», sagt Franziska Heeb von der Thurgauischen Koordinationsstelle für Fledermausschutz.

Ein Problem sind nicht nur die herrschenden Minustemperaturen, sondern auch die rekordwarmen Monate zuvor. «Einige Fledermäuse sind während der warmen Wochen wieder munter geworden und auf die Suche nach Wasser gegangen», erklärt die Fledermausspezialistin, die an der Lindenstrasse 3 in Bischofszell eine Notpflegestation betreibt. Da sie nach dem Aufwachen annehmliche Bedingungen vorfanden, hätten sie kein warmes Versteck mehr gesucht – und würden nun von den Niedrigtemperaturen überrascht.

«Sinkt die Temperatur im Winterquartier auf unter einen Grad, wird ein internes Alarmsystem aktiviert.» Dieses bewirkt dann ein kostspieliges Aufwachen der Tiere: Der Puls, gerade noch drei bis vier Herzschläge pro Minute, muss um das Zehnfache erhöht werden, die Körpertemperatur von etwa zwei Grad auf über vierzig Grad. Natürlich fordert eine solche Umstellung seinen Tribut.

«Um den Energieaufwand zu kompensieren, müssten Fledermäuse theoretisch eine Woche lang jagen können», sagt Heeb. Dazu besteht im Winter aber keine Möglichkeit und so würden sie versuchen, auf die Schnelle ein neues Versteck zu finden. Erfahrungsgemäss blieben vor allem Jungtiere in geschützten Abgängen, Garagen oder Kellerräumen liegen. Da sie noch keine Erfahrung haben, können sie das Versteck nicht beurteilen. «Auch stösst man oft im Brennholz auf die Tiere», sagt Heeb.

Sie lieben das Ausbrechen

Sichtet man ein verloren daliegendes Exemplar, soll man das Nottelefon für Fledermausschutz kontaktieren. Die Tiere können im Thurgau von zwei Pflegestellen über den Winter aufgenommen werden. Dort wird ihnen zunächst mit Wasser und Mehlwürmern neues Leben eingehaucht; anschliessend werden sie zu anderen Fledermäusen gelegt, wo sie den Winterschlaf bei angemessener Temperatur und Luftfeuchtigkeit fortsetzen können.

Jedes Tier, das gerettet werden kann, zählt. Die Fledermauspopulation ist in der Schweiz rückläufig, viele Arten sind gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. «Etwa die Hälfte der Jungtiere überlebt den ersten Winter nicht», bedauert Heeb. Eine hohe Ziffer, zumal sich die Nachkommenschaft typischerweise auf ein Jungtier pro Jahr beschränkt.

Auch wenn gefundene Fledermäuse zunächst wie tot aussehen, warnt Heeb davor, sie mit blossen Händen anzufassen. Stattdessen solle man bei jedem Kontakt Handschuhe tragen. Denn: «Fledermäuse haben ein Raubtiergebiss und können Krankheiten übertragen.» Gefundene Tiere legt man am besten in eine geschlossene Kartonschachtel mit Luftlöchern.

Dabei tut man gut daran, die Kartonschachtel zu verkleben und die Luftlöcher nicht zu gross zu machen, denn Fledermäuse seien wahre Ausbrecherkönige. Nach rund 20 Minuten wachten sie auf und würden alles daran setzen auszubüxen. Auch verstünden sie es hervorragend, sich zu verstecken: «Es ist schon vorgekommen, dass wir ein ganzes Auto auf der Suche nach einer Fledermaus ausräumen mussten», erinnert sich Heeb.

Kontakt

Fledermausschutz Nottelefon 071 422 82 47.

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