BISCHOFSZELL: Ein Abschied mit Wehmut

Im Grundbuchamt und Notariat klingt eine bemerkenswerte Ära aus. Während Jahrzehnten war diese untrennbar mit einem Namen verbunden – Louis Brüschweiler. Ende Dezember geht er in Pension.

Georg Stelzner
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Zeitreise in eine Epoche, in welcher die digitale Erfassung von Dokumenten noch nicht möglich war: Louis Brüschweiler im Archiv, das im Dallerhaus an der Kirchgasse 5 untergebracht ist. (Bild: Reto Martin)

Zeitreise in eine Epoche, in welcher die digitale Erfassung von Dokumenten noch nicht möglich war: Louis Brüschweiler im Archiv, das im Dallerhaus an der Kirchgasse 5 untergebracht ist. (Bild: Reto Martin)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Es ist unschwer zu erkennen: Leicht fällt es Louis Brüschweiler nicht, in ein paar Tagen aus dem Berufsleben auszuscheiden. Zu sehr hat sich der Spross einer Bauernfamilie aus Sommeri stets mit seinen Aufgaben identifiziert. Als Brüschweiler im Herbst 1975 zum Grundbuchverwalter des Kreises Bischofszell gewählt wurde, zählte er knapp 23 Lenze.

Als Brüschweiler seine Arbeit aufnahm, war das Grundbuchamt in Bischofszell ein Einmannbetrieb. Selbstverständlich noch ohne EDV und PC. Fünf Jahre später übernahm Brüschweiler mit den Funktionen des Notars und des Vormundschaftssekretärs zwei weitere verantwortungsvolle Funktionen.

Andere Tätigkeiten kamen nicht in Frage

«An ein vorzeitiges Aufhören oder einen Stellenwechsel habe ich in all den Jahren keine einzige Sekunde gedacht», sagt Brüschweiler. Auch jetzt kann er sich nicht vorstellen, sein Fachwissen und Verhandlungsgeschick plötzlich auf Eis zu legen. Wenn er jemandem helfen könne, werde er das auch in Zukunft gerne tun, ohne seinen Nachfolger, Silvan Hengartner, zu konkurrenzieren. Die Arbeit als Grundbuchverwalter bezeichnet Brüschweiler als «schöne Aufgabe», bei der ihm der Umstand zugute gekommen sei, dass Bischofszell sowohl sein Arbeits- als auch sein Wohnort war. «Ich kannte Land und Leute und genoss grosses Vertrauen in der Bevölkerung», zieht Brüschweiler eine positive Bilanz.

Noch mehr Herzblut investierte Brüschweiler, der mütterlicherseits mit der Thurgauer Politikerdynastie Stähelin verwandt ist, in seine Aufgaben als Notar. «Ich habe feststellen dürfen, dass die Leute sehr dankbar sind, wenn ihnen in einer schwierigen Situation und bei der Auseinandersetzung mit einer komplexen Materie geholfen wird», fasst er seine Erfahrungen zusammen. Wenn sich Konflikte abzeichneten, habe er immer versucht zu vermitteln. Gravierende Probleme habe er als Notar nie gehabt. «Von Klagen und Prozessen bin ich verschont geblieben, was nicht selbstverständlich ist.»

Als anspruchsvollster Teil seiner beruflichen Tätigkeit habe sich das Vormundschaftswesen herausgestellt, besonders wenn Kinder betroffen gewesen seien. Solche Fälle am Feierabend völlig auszublenden, sei kaum möglich gewesen. «Ich habe eine soziale Ader und wollte immer die bestmögliche Lösung», erklärt Brüschweiler. Erst seit die Kesb im Fokus stehe, sei den Leuten bewusst, was auf diesem Gebiet geleistet werden müsse.

Öffentliche Ämter im Wandel der Zeit

Seit 1975 hat es Gesetzesänderungen zuhauf gegeben, und die Vertragswerke sind zusehends komplizierter geworden. Auch in anderer Hinsicht gab es eine Entwicklung. «Die Leute sind für Hilfe immer noch dankbar, doch der Respekt vor öffentlichen Ämtern und ihren Vertretern war früher grösser», sagt Brüschweiler.

Als Grundbuchverwalter bearbeitete er 32000 Fälle, als Notar regelte er 2500 Todesfälle, und im Vormundschaftswesen zeichnete er für 3000 Beschlüsse und Verfügungen verantwortlich. Daran wird sich ab Januar nichts mehr ändern. Zunehmen wird aber die Freizeit. Diese möchte Brüschweiler vor allem seiner Familie widmen, nicht zuletzt den vier Enkelkindern. Auf dem Programm werden auch Wandern und Skifahren stehen.