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BISCHOFSZELL: Die Kirche wird närrisch

In der Pelagiuskirche findet diesen Sonntag ein Fasnachtsgottesdienst statt. Besucher dürfen sich verkleiden und sich auf die Guggenmusik Näbelhusaren freuen.
Tobias Bolli

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

Diesen Sonntag leitet Christoph Baumgartner einen ganz besonderen Gottesdienst in der Pel­agiuskirche Bischofszell: einen Fasnachtsgottesdienst. Er soll zeigen, dass das Christentum so trocken und humorlos nicht ist, wie manchmal behauptet wird. Seit Beginn der 80er-Jahre findet Fasnachtsgottesdienst schweizweit statt. Sie wagen eine Vereinigung der scheinbaren Gegensätze: Das Heidnische und das Christliche, das Lachen und das Weihevolle sollen zusammengebracht werden.

Guggenmusik kontrastiert mit Kirchengesang

Bereits zum 17. Mal nimmt die Guggenmusik Näbelhusaren am Gottesdienst teil. «Zusammen mit der katholischen Kirche Bischofszell erarbeiten wir ein auf die Fasnacht abgestimmtes Programm», sagt Kevin Wanner, Präsident der Näbelhusaren. Die Mischung aus Blechmusik und Kirchengesang erzeuge jeweils eine unvergleichliche Atmosphäre. Traditionell lesen Mitglieder der Guggenmusik auch Verse aus der Bibel vor, ihre Hauptaufgabe bleibt aber die musikalische Unterhaltung.

«Für mich ist es ein seltsames aber auch ein schönes Gefühl, als Guggenmusiker auftreten zu dürfen», sagt Wanner. Anfangs sei es wirklich eigenartig gewesen; doch hätten sich die Besucher im Fasnachtskostüm Jahr für Jahr gemehrt und schliesslich habe er sich vollends am richtigen Platz gefühlt. «Den Leuten Freude zu bereiten, ist unsere Passion», sagt Wanner, «und warum soll nicht auch ein Kirchenbesuch Spass machen dürfen?»

«Christen dürfen an sich entdecken, dass die Freude ein besonderes Geschenk Gottes ist», sagt Baumgartner, Leiter des Fasnachtsgottesdienstes. «Schliesslich sind wir Empfänger der Frohen Botschaft Jesu Christi, welche Hoffnung schenkt im gegenwärtigen wie auch im künftigen Leben. Seine Gegenwart unter uns ist ein wahrer Grund zur Freude.» Es sei erlaubt, ja erwünscht, diese Freude auch untereinander zu teilen.

Statt in züchtiger Kleidung dürfen die Besucher traditionell im Fasnachtskostüm erscheinen. Erlaubt sei alles, was nicht verletzt, sagt Baumgartner. «In den vergangenen Jahren habe ich nie jemanden wegen der Kleidung zurechtweisen müssen.» Masken sind im Fasnachtsgottesdienst in Bischofszell jedoch unerwünscht, sagt Baumgartner. Schliesslich solle man Gott unverhüllt gegenüberstehen.

Erfahrungsgemäss seien die Anwesenden bunt durchmischt: «Nebst Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kommen auch Betagte – alle, die irgendetwas mit Fasnacht am Hut haben.» Baumgartners Bilanz fällt bis jetzt positiv aus: «Die Besucher gehen froh und gestärkt in den Alltag und stecken ihre Mitmenschen von der empfangenen Freude an.»

Trotzdem fällt es schwer, das Christentum so ganz mit Spass und Narretei zusammenzudenken. Sucht man in der Bibel nach einem Lacher Jesu, durchblättert man sie jedenfalls erfolglos. Auch seinen Nachfolgern wird nicht unbedingt Humor nachgesagt. Heinrich Böll meinte, er würde den Christen eher glauben, wenn sie öfter ihre Lachmuskeln benützten.

Die Protestanten waren Spielverderber

Nicht alle denken so. Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur der Katholischen Kirche Zürich, ist sich sicher: Humor gehört zur Kirche. «Wer hat das Bier erfunden, wer hat den Wein kultiviert? Nicht zufällig waren das die Mönche», sagt Spengler. Natürlich gebe es auch eine leibfeindliche Tradition, zumal die Protestanten hätten sich immer wieder als Spassbremsen erwiesen. Doch sei damit nicht der Kern des Christentums berührt.

Dass in der Bibel nie vom Lachen Jesu die Rede ist, gibt Spengler zu. Er weist aber darauf hin, dass Jesus auch gefeiert und getrunken habe – mit so zwielichtigen Gestalten wie Zöllnern und Huren. «In der Bibel wird er deshalb als Fresser und Säufer bezeichnet.» Jesus sei eben, nebst seiner göttlichen Natur, ganz ein Mensch wie wir gewesen.

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