BISCHOFSZELL: Der Ton wird schärfer

Die Stadt möchte den Bürgerhof an eine Stiftung verkaufen. Die Bevölkerung sollte Gelegenheit bekommen, dem Stiftungsvertreter Fragen zu stellen. Genutzt wurde der Anlass zu emotionalen Diskussionen.

Rita Kohn
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Stadtpräsident Thomas Weingart erläutert die Hintergründe des Bürgerhof-Verkaufs. (Bild: Rita Kohn)

Stadtpräsident Thomas Weingart erläutert die Hintergründe des Bürgerhof-Verkaufs. (Bild: Rita Kohn)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Die Fronten verhärten sich. Das ist auch an diesem Morgen in der Cafeteria des Bürgerhofs deutlich zu spüren. Die Stadt hat eingeladen, will nochmals über die Hintergründe des geplanten Verkaufs reden und dem Vertreter der interessierten Käuferin das Wort geben. Thomas Häseli, Präsident der Liebenau Schweiz gemeinnützige AG, hat sich gut vorbereitet. Ihm weht ein kühler Wind entgegen. Im Publikum sitzen zahlreiche Gegner des Verkaufs.

Stadtpräsident Thomas Weingart wirbt mit einem umfassenden Informationsteil für das Vorgehen der Stadt. Er weiss, dass es nicht nur Befürworter gibt, kennt die Argumente, die gegen einen Verkauf vorgebracht werden. «Ich will hier und heute nicht über den Verkauf diskutieren», sagt er gleich zu Beginn der vorgesehenen Fragerunde. Sinn des Anlasses sei es, Thomas ­Häseli Fragen zu stellen, um die Liebenau und ihre Pläne mit dem Bürgerhof näher kennen zu lernen. Die Gemeindeversammlung sei dann der richtige Ort, um nochmals eingehend über die ­Sache zu diskutieren.

«Man will uns nicht hören», beklagt sich einer der Besucher, leise vor sich hin murmelnd. Eine andere Besucherin bleibt mit ihrem Protest nicht im Stillen. Sie finde das nicht richtig, moniert sie. Viele derjenigen, die gegen einen Verkauf seien, könnten am 5. September nicht zur Versammlung kommen, weil sie in den ­Ferien seien. Überhaupt sei alles viel zu überstürzt.

«Man kann über die Form geteilter Meinung sein»

Die Verkaufsgegner lassen keinen Zweifel daran, dass sie lieber eine Urnenabstimmung hätten. Die Meinungen seien gemacht, es brauche die Gemeindeversammlung für eine vertiefte Auseinandersetzung gar nicht mehr. Zu den Wortführern an diesem Samstagmorgen gehört auch der ehemalige Stadtpräsident Josef Mattle. «Man kann über die Form der Abstimmung geteilter Meinung sein», sagt er, zunächst ausgleichend. Schliesslich lässt die Gemeindeordnung beide Varianten zu. Dann aber wirft er ein, dass die von der Stadt behaupteten Investitionen von Steuergeldern nicht stattgefunden hätten. Das Geld sei nämlich kein Steuergeld gewesen, sondern ein ausserordentlicher Ertrag aus einem Buchgeschäft. Stadtpräsident Thomas Weingart wirkt für einen kurzen Moment fassungslos. Ohne die Investition in den Bürgerhof hätte die Stadt sich etwas anderes leisten können, sagt er. Etwas, das nun mit Geld aus den Steuermitteln finanziert werden muss.

Die Diskussionen zeigen, dass es keine Annäherung der Parteien gibt. Thomas Weingart führt das Gespräch zurück auf die ursprünglich geplante Ebene: die Fragestellung an Thomas Häseli. Ein Besucher regt an, die Stadt könne ja die Liegenschaft behalten, aber an die Liebenau vermieten. Häseli winkt ab. Zwar will er noch nicht definitiv die Türe zuschlagen, aber zu einer solchen Lösung wird es seiner Meinung nach eher nicht kommen. Er bleibt aufmerksam, ruhig, nimmt die verschiedenen Äusserungen auf, lässt sich nicht auf Diskussionen ein.

In der für diesen Anlass viel zu engen Cafeteria sitzen auch Befürworter des Verkaufs. Ihre Voten sind kurz, dezidiert. Einer von ihnen ruft in Erinnerung, dass es hier nicht nur um eine ­Sache geht: «Wenn Sie für die Liegenschaft sind, sagen Sie Nein. Wenn Sie aber für die Menschen sind, dann sagen Sie Ja zum Verkauf.»