BISCHOFSZELL: Das Handwerk vom Vater gelernt

Sandra Sauder hat eine Vorliebe für Bilderrahmen und alte Dinge. Nach der Pensionierung Peter Stäckers übernahm sie dessen Maschinen und führt nun eine Familientradition fort.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Sandra Sauder zeigt ihr Bilderrahmensortiment. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Sandra Sauder zeigt ihr Bilderrahmensortiment. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Mit viel Geschick versteht sie es, alte und defekte Bilderrahmen zu reparieren. Sie liebt es, gebrauchten Gegenständen neues Leben einzuhauchen: Sandra Sauder betreibt im ersten Stock der gleichnamigen Papeterie am Grubplatz in Bischofszell ein Einrahmungs-Atelier. Die gelernte Handbuchbinderin bietet aber nicht nur Bilderrahmen-Reparaturen an, sondern fertigt auch Rahmen nach Kundenwünschen. Die Palette reicht vom schlichten Holz- bis hin zum edlen Alu-Rahmen. «Zudem sammle ich alles, was alt ist», erzählt Sandra Sauder und zeigt auf die verschiedenen Wohnaccessoires, die auf den Regalen fein säuberlich sortiert stehen. Zu finden ist ein Sammelsurium an Puppen, Bildern, alten Gläsern und vieles mehr. Die Einzelstücke und Raritäten, die sie nebst den Bilderrahmen zum Verkauf anbietet, stammen grösstenteils aus Wohnungsräumungen.

Mit der Einrichtung ihres Einrahmungs-Ateliers hatte die Allrounderin, wie sich Sandra Sauder selbst bezeichnet, vor drei Jahren einen Traum verwirklicht. Damals hatte sie die Möglichkeit, die Maschinen und Materialien von Peter Stäcker zu übernehmen. Infolge Pensionierung schloss dieser im Frühjahr 2014 seine Galerie und sein Geschäft für Einrahmungen an der Bischofszeller Neugasse. Das Atelier ist ein Nischenangebot im Vergleich zum Hauptgeschäft, der Papeterie.

Alles war Handarbeit

Für Sandra Sauder stand schon früh fest, dass sie den Beruf der Buchbinderin erlernen möchte. «Ich habe bereits als Mädchen lieber mit Papier und Karton gebastelt als gestrickt», verrät sie mit einem Lächeln. Kreativ sei sie immer gewesen und bekanntlich fällt ja der Apfel nicht weit vom Stamm. Denn ihr Vater, Alois Heri, war ebenfalls Buchbinder, und er führte eine kleine Buchbinderei an der Thundorferstrasse in Frauenfeld. Bei ihm habe sie eine Lehre als Handbuchbinderin absolviert, sagt Sandra Sauder. Ihr Vater hatte das nötige Know-how und die langjährige Erfahrung. Buchbinder-Lehrstellen seien damals schon rar gewesen. Während der Ausbildung habe sie gelernt, Bücher von Grund auf selber zu binden – alles war Handarbeit. Ihr Vater habe ihr auch das Reparieren von Bilderrahmen beigebracht. «Bilderrahmen flicken, lernt man ja nicht in der Schule», sagt Sandra Sauder und fügt an, dass diese Handwerkskunst vom Aussterben bedroht sei. An einen ganz besonderen Schatz mag sich die Buchbinderin noch gut erinnern: «Es war ein kleines Original-Van-Gogh-Bild, dem mein Vater ein neues Gesicht verleihen durfte.»

Bis vor 23 Jahren hat Sandra Sauder im elterlichen Betrieb in Frauenfeld gearbeitet. Nach der Heirat sei sie nach Bischofszell gezogen. «Später war ich dann als Familienfrau engagiert», erzählt die Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern. Ihr Mann, Dieter Sauder, übernahm vor 13 Jahren die Papeterie von seinem Vater Bernhard. Die beiden verbindet eine ähnliche Biografie: «Dieter ist jedoch der Buchhalter, und ich bin die Buchbinderin», ergänzt Sandra Sauder lachend. Das Kreative habe ihr im Haushalt gefehlt. «Darum bin ich glücklich, das Einrahmungs-Atelier führen zu können.»

Früher habe sie auch defekte Bücher repariert, heute beschränke sie sich auf das Reparieren und Anfertigen von Bilderrahmen. Schöne Bilderrahmen seien zwar Luxusartikel. «Bilder können jedoch einen ideellen Wert haben, Bilder können auch Erbstücke sein», sagt Sandra Sauder. Ein eingerahmtes Bild an der Wand sei fachgerecht versorgt und bereite ausserdem Freude.

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