BISCHOFSZELL: Auf der Höhe der Zeit

Die Literaria gibt es seit über 160 Jahren. Obwohl die Konkurrenz heute ungleich grösser ist als zu Beginn, behauptet sich der Kulturverein dank attraktiver Programme erfolgreich als Veranstalter.

Georg Stelzner
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Martin Herzog ist Präsident des Bischofszeller Kulturvereins Literaria. (Bild: Georg Stelzner)

Martin Herzog ist Präsident des Bischofszeller Kulturvereins Literaria. (Bild: Georg Stelzner)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Die Literaria war ein Kind ihrer Zeit. Mitte des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufen, war sie ein Refugium kulturbeflissener Bildungsbürger. Das Programm bestand denn auch hauptsächlich aus Lesungen und Vorträgen. «Das ist längst nicht mehr so, auch wenn wir diese Sparten natürlich gerne weiterhin berücksichtigen», sagt Martin Herzog, der Präsident des Kulturvereins Literaria. Zufrieden zückt er den Flyer mit dem neuen Jahres­programm, in dem Musik unterschiedlichster Richtungen und das Kabarett ebenso Aufnahme gefunden haben wie die Literatur und das Marionettentheater. Ein Referat rundet das Angebot ab.

So abwechslungsreich und viele unterschiedliche Genres abdeckend das Jahresprogramm jeweils ist, so haben sich im Laufe der Zeit doch einige Fixpunkte herauskristallisiert. Zu diesen gehören die «Gassenklänge» (siehe auch «Thurgauer Zeitung» vom 5. Juli) zu Beginn der Veranstaltungsreihe und das der klassischen Musik vorbehaltene Rathauskonzert in der Vorweihnachtszeit. Zudem hat der Vereinsvorstand den Ehrgeiz, das Jahresprogramm jeweils mit einem Höhepunkt zu beenden. Auch dieser Anspruch hat inzwischen Tradition.

An Zugpferden mangelt es im neuen Programm nicht

Herzog unterstreicht die inhaltliche Ausgewogenheit des neuen Programms. Dass es erneut möglich sein wird, ein breites Spektrum abzudecken und damit weite Bevölkerungskreise anzusprechen, macht ihn auch ein wenig stolz. Auf einen Tag freut sich der Vereinspräsident aber besonders: Am 11. November wird Pippo Pollina in Bischofszell ein Konzert geben. Mit der Verpflichtung des italienischen Cantautore, der problemlos grosse Hallen füllt, ist ein echter Coup gelungen.

Auch wenn Herzog betont, dass man bei den Engagements keine finanziellen Risiken eingehe, ist es einmal mehr gelungen, auch national bekannte Grössen wie den Kabarettisten Joachim Rittmeyer, das Johannes-Kobelt-Quantett, die Formation Appenzeller Space Schöttl oder den Bandleader Dani Felber zu verpflichten. Dazu trägt nicht zuletzt der gute Ruf bei, den sich die Literaria – notabene vor dem Hintergrund einer stets grösser werdenden Konkurrenz in der Region – im Laufe der Jahre erarbeitet hat. «Wer bei uns auftritt, soll sich wohlfühlen. Die Künstler schätzen die herzliche Atmosphäre und sind daher gerne bereit wiederzukommen», gibt Herzog etwas vom Erfolgsrezept preis.

Die Literaria kann auf treue Sponsoren zählen. Der Lotteriefonds leistet einen Beitrag, der sich an jenem der Stadt orientiert. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist auf über 150 gestiegen. Ganz zufrieden ist Herzog trotzdem nicht: «Ich kämpfe seit Jahren darum, dass wir von Bischofszell mehr als 2000 Franken bekommen.» Immerhin stelle die Literaria ein Programm auf die Beine, das sich über ein ganzes Jahr erstreckt, argumentiert er.