Bischof spricht Klartext

ROMANSHORN. «Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen, und wir haben dort zu handeln, wo wir können.» Dies sagte Bischof Markus Büchel am Dienstag in einem Gespräch an der Kantonsschule.

Markus Bösch
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Kantilehrer Felix Meier im Gespräch mit Bischof Markus Büchel über Freiheit und Grenzen. (Bild: Markus Bösch)

Kantilehrer Felix Meier im Gespräch mit Bischof Markus Büchel über Freiheit und Grenzen. (Bild: Markus Bösch)

«Müssen wir alles machen, was wir können?» Mit dieser grundsätzlichen Frage setzten sich Kantonsschullehrer Felix Meier und Bischof Markus Büchel am ersten Anlass in diesem Schuljahr der Veranstaltungsreihe «Offene Kanti» auseinander.

Es ging unter anderem um Freiheit und Grenzen sowie Verantwortung und Werte.

Obwohl Freiheit eine Zumutung sei, gehöre sie in den Grundrechten verankert. Sie höre aber da auf, wo diejenige des Anderen beginne. «Und Grenzen wollen auch schützen. Grenzüberschreitungen, die für den Fortschritt allenthalben nötig sind, haben Rücksicht zu nehmen, alle Betroffenen sind in den Blick zu nehmen», sagte Büchel.

Verantwortlich handeln

Der vom Wirtschaftslehrer Meier ins Spiel gebrachte Begriff der Verantwortung forderte den Theologen heraus: «Wenn ich verantwortlich handle, habe ich mich dort zu bemühen, wo es möglich ist, beispielsweise, indem ich Strukturen nicht unterstütze, die Menschenrechte missachten.» Doch welche Werte sollen zählen: das «grosse Ich» (Meier) oder «Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit», die durch Eltern und Lehrpersonen vermittelt werden (Büchel)?

Woran hängt der Mensch?

Fünf Kantischüler diskutierten dann mit dem Bischof das Thema mit Blick auf die Wirtschaft: Wenn also Investitionsgüter immer rascher zu Verbrauchsgütern werden, dem Wegwerfen Vorschub geleistet wird, ist der Mensch mit seinen Freiheiten gefordert.

Doch wie gross ist die Entscheidungsfreiheit überhaupt vor dem Hintergrund von Unreparierbarkeit und verführerischer Werbung, bohrten die Schüler nach: «Ja, die Frage stellt sich: Woran hängt der Mensch? Und steht der Profit im Vordergrund? Es gilt, ökologische und soziale Aspekte einzubeziehen, das zu tun, was ich tun kann und in diesem Sinn zugunsten der anderen zu verzichten und damit Solidarität zu zeigen», machte Markus Büchel klar.

Unsägliche Jammerei

Es sei himmeltraurig, dass bei uns gejammert werde über Flüchtlinge, die noch gar nicht da seien und dass wieder einmal an der Entwicklungshilfe gespart werde, sagte Bischof Büchel. Gefragt seien wir mit unserer grundsätzlichen Lebensorientierung. Selbstverständlich sei eine sich verselbständigende Wirtschaft gefährlich, und die momentan laufende Konzernverantwortungs-Initiative eine Möglichkeit, «den Blick zu schärfen und politisch zu handeln». Klar sei jedenfalls, «dass ihr als Jugendliche mit grossen Herausforderungen zu kämpfen habt», sagte Büchel.