Bis Zürich ist's ein weiter Weg

AMRISWIL. Amriswil bemüht sich um das Energiestadtlabel. Eine erste Bestandesaufnahme zeigt, dass die Mindestanforderungen bereits erreicht sind. Doch Stadträtin Barbara Bieger hofft auf eine kontinuierliche Entwicklung und einen Spitzenplatz.

Rita Kohn
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Rolf Scheurer, Barbara Bieger und Karl Spiess (von links) sorgen dafür, dass in Amriswil Energie nicht zum Fenster hinaus verschwindet. (Bild: Rita Kohn)

Rolf Scheurer, Barbara Bieger und Karl Spiess (von links) sorgen dafür, dass in Amriswil Energie nicht zum Fenster hinaus verschwindet. (Bild: Rita Kohn)

Zürich, Lausanne, Schaffhausen: Diese Städte nehmen die Podestplätze beim Ranking der Schweizer Energiestädte ein. Noch bekommen sie von Amriswil keine Konkurrenz. Dies, obwohl die Oberthurgauer Metropole die Berater bereits bei der Bestandesaufnahme durch einen hohen Stand verblüfft hat. Nicht ohne Stolz präsentieren Stadträtin Barbara Bieger, TBA-Leiter Karl Spiess und Rolf Scheurer, der bei der Stadt unter anderem für die Energieberatung zuständig ist, die Ergebnisse.

800 Punkte können bei einem Audit erreicht werden, über 400 Punkte waren es bei der Stadt Amriswil bereits bei der Bestandesaufnahme. Damit könnte das Energiestadtlabel bereits erreicht werden, ist doch die Voraussetzung dafür, dass mindestens 50 Prozent der Maximalpunktzahl erreicht werden.

Weitere Punkte zulegen

Noch bevor das Energiestadtlabel also angestrebt wurde, hat sich Amriswil bereits in die richtige Richtung bewegt.

«Seit ich 1999 in den Stadtrat gewählt worden bin, wollte ich immer erreichen, dass Amriswil zur Energiestadt wird», bekennt Barbara Bieger. Ein entsprechender erster Vorstoss fand jedoch keine Gnade vor dem Stadtrat. Das ist inzwischen anders. Nachdem der Stadtrat von den erfreulichen Ergebnissen erfahren hat, hat er grünes Licht gegeben. «Unser Ziel ist es, an der AWA 2010 das Label zu erhalten», macht Barbara Bieger klar. Dafür werde in den nächsten Monaten auch noch einige Arbeit geleistet.

Denn obwohl die Mindestanforderungen bereits erfüllt sind, will die Stadt Amriswil ihre Stellung verbessern. «Wir haben einiges an kurzfristigem Potenzial.» Längerfristig könnte Amriswil, so hofft Bieger, in die Spitze vorstossen. «Mindestens 75 Prozent, das wäre schön», sagt die Stadträtin mit einem Lachen. Denn bis dahin liegt vor der Stadt ein weiter Weg.

Nicht auf Lorbeeren ausruhen

Dem Kernteam der Kommission für Energie, Natur und Umwelt ist es wichtig, dass sich Amriswil nun nicht auf den Lorbeeren ausruht, sondern dort, wo es Möglichkeiten zur Verbesserung gibt, diese auch umzusetzen. Einige Punkte gut machen kann die Stadt etwa durch eine Fleissarbeit von Rolf Scheurer. Er wird für alle Gebäude der öffentlichen Hand eine eigene Energiebuchhaltung erstellen.

Diese zeigt dann auf, wo es Handlungsbedarf gibt, welche Liegenschaften in Sachen Energie verbessert werden müssen. Sobald die Liegenschaften der Stadt erfasst sind, sollen auch jene der Schule aufgenommen werden. «Die Zusammenarbeit mit der Schule hat uns Pluspunkte eingebracht», freut sich Barbara Bieger. In einem weiteren Schritt sollen schliesslich auch die Gebäude der Kirchgemeinden in Amriswil in die Energiebuchhaltung aufgenommen werden.

Rolf Scheurer warnt aber vor übertriebenen Erwartungen, wenn es um die Sanierung von energieaufwendigen Gebäuden geht. «Beispielsweise das Stadthaus: Dieses steht unter Denkmalschutz, und man kann es nicht einfach in eine bessere Aussenhülle packen.» So liesse sich da und dort eben nur punktuell etwas verbessern, beim Stadthaus etwa die Erneuerung der Beleuchtung.

Lob für Stadttaxi

Besonders stolz ist Amriswil über das Lob der Berater bezüglich öffentlichem Verkehr. Sie seien vom Angebot des Stadttaxis ganz angetan gewesen, sagt Barbara Bieger nicht ohne Stolz. Denn auch zur Einrichtung des vielgenutzten Taxidienstes hat sie einiges beigetragen.

Einen Schritt voraus

Viel merken wird die Bevölkerung von dem Bemühungen ums Energiestadtlabel vorerst nicht.

Da die Stadt in vielem einen Schritt voraus war, gibt es ausser administrativem Aufwand aktuell wenig Änderungsbedarf. Längerfristig dürfte das Label allerdings zu verschiedenen Investitionen in die Infrastruktur führen.

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