Bis 1924 paritätisch genutzt

Die Arboner Martinskirche geht auf die Frühzeit zurück. Nach der Reformation wurde sie 400 Jahre lang paritätisch genutzt. Hans Geisser berichtete zum Abschluss der Aussenrenovation des Bauwerks.

Hedy Züger
Drucken
Teilen
Hans Geisser Historisches Museum Arbon (Bild: me)

Hans Geisser Historisches Museum Arbon (Bild: me)

ARBON. Die Wurzeln der christlichen Gemeinschaft liegen weit zurück in spätrömischer Zeit. In der Festung Arbon war um das Jahr 250 eine Kohorte Legionäre als Grenzschutz gegen germanische Alemannen stationiert. Das Christentum wurde etwa ab 353 im Römerreich Staatsreligion. Um das Jahr 700 ging Arbon in den Besitz des Bistums Konstanz über, das grösste Bistum im deutschsprachigen Raum. Die kirchliche und politische Macht blieben in einer Hand. Im Schloss regierten die Obervögte, das blieb während tausend Jahren so, wie Geisser ausführte. 720 wurde die Burg Arbon erstmals schriftlich erwähnt. Gelegentlich führte die Hofhaltung der Bischöfe zu Geldnot und sie verpfändeten kurz- oder längerfristig die Stadt Arbon.

Obdach im Pfarrhaus

Gallus und seine Glaubensbrüder hätten wohl erstaunt reagiert, als sie 612 in Arbon eine christliche Gemeinschaft antrafen und im Pfarrhaus gastliche Aufnahme fanden, meinte Geisser. Der Konservator des Historischen Museums im Schloss erwähnte bedeutende Persönlichkeiten, die vor und nach dem Jahr 1000 aus Arbon hervorgingen. Darunter Hermann von Arbon. Er war einer der markantesten Reichsfürsten und zählte zum Beraterkreis von Stauferkaiser Friedrich Barbarossa.

Arboner Wald bis zum Säntis

Der Arboner Forst zog sich bis zum Säntis hin. In den Kriegen gegen die Abtei St. Gallen um 1400 wehrten sich die freiheitsliebenden Appenzeller gegen die Willkür der Äbte. Nach den Schlachten bei Vögelinsegg und am Stoss flüchteten Überlebende hinter die Stadtmauern von Arbon. Während des Konzils in Konstanz, 1414–1418, residierten in Arbon prominente Konzilsteilnehmer, so das Gefolge von Papst Gregor. In Arbon bleibt Hugo von Hohenlandenberg der prominenteste Bischof. Er erlebte die Stürme der Reformation, die auch Arbon heimsuchten. 1528 entschied die Arboner Gemeindeversammlung, den neuen Glauben anzunehmen.

Wallfahrtskreuz erhalten

Beim Bildersturm wurde nur das Wallfahrtskreuz verschont, heute das älteste sakrale Holzschnitzwerk im Thurgau. Die Kirche wurde bis 1924 paritätisch genutzt. Wenn sich die Pfarrer der beiden Konfessionen gut verstanden, gelang auch den Kirchgemeinden ein friedliches Miteinander.

Aktuelle Nachrichten