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BILLIGLÖHNE: 17 Franken Stundenlohn in Arbon - Gewerkschafter empört: "Das geht überhaupt nicht"

In Arbon werden seit Mitte Oktober Retourenartikel für Zalando verarbeitet. Unter den 60 neuen Mitarbeitern sind auch Sozialhilfebezüger. Die Stadt ist froh um die niederschwelligen Angebote. Zum Stundenlohn von 17 Franken sagt Stadtrat Hans-Ulrich Züllig: "Was ist die Alternative?" Deutlicher äussert sich dafür ein Unia-Vertreter.
Maria Keller
In einer früheren Arboner Industriehalle werden Zalando-Retouren verarbeitet - der tiefe Lohn von 17 Franken pro Stunde sorgt für Diskussionen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

In einer früheren Arboner Industriehalle werden Zalando-Retouren verarbeitet - der tiefe Lohn von 17 Franken pro Stunde sorgt für Diskussionen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Die MS Direct AG hat das ehemalige Saurer-Areal an der Textilstrasse in Arbon bezogen. In der Halle werden seit Oktober von 100 Angestellten Retouren-Päckli von Zalando kontrolliert. Der Einstiegslohn erhitzt die Gemüter. 17 Franken seien zu wenig, heisst es auf den sozialen Netzwerken von allen Seiten. Die Stadt sieht hingegen vermehrt den positiven Aspekt dahinter.

Hans-Ulrich Züllig. (Bild: Max Eichenberger)

Hans-Ulrich Züllig. (Bild: Max Eichenberger)

"Begrüsse niederschwellige Angebote"

"Ich bin grundsätzlich positiv eingestellt, ich begrüsse diese niederschwelligen Angebote", sagt der Arboner Stadtrat Hans-Ulrich Züllig, Verantwortlicher des Ressorts Soziales und Gesellschaft. Natürlich sei der Lohn tief, "aber was ist die Alternative? Es braucht Arbeitsplätze für Menschen wie Sozialhilfebezüger. Und das Wichtigste ist, dass sie dadurch in eine Gemeinschaft und eine Tagesstruktur eingeführt werden." Auch für die Stadt sei das schliesslich eine Entlastung, wenn solche Menschen Arbeit fänden.

Lukas Feierabend. (Bild: Max Eichenberger)

Lukas Feierabend. (Bild: Max Eichenberger)

Auch Lukas Feierabend, Leiter der Abteilung Soziales bei der Stadt Arbon, zeigt sich erfreut über diese Stellen für ungelernte Menschen. "Die Realität sieht nun einmal einen niedrigen Lohn vor, diese Arbeit stellt aber eine Chance für viele dar, die sonst auf der Sozialhilfe sitzen bleiben würden." Er habe eine liberale Ansicht diesbezüglich, es sei gut, dass solche Arbeitsplätze geschaffen würden. "Der tiefe Lohn bleibt dabei der einzige Wermutstropfen."

"Recht auf faire Bezahlung"

Scharf fällt die Stellungnahme von Stefan Brülisauer, Leiter der Sektion Säntis-Bodensee der Gewerkschaft Unia, aus. "Mit einem solchen Lohn wird die Notsituation von sozial schwachen Leuten natürlich ausgenutzt, das geht für uns überhaupt nicht", hält er fest. Auch Sozialhilfebezüger haben laut Brülisauer ein Recht auf eine faire Bezahlung. Korrekt wäre seiner Ansicht nach ein Mindestlohn von 22 Franken.

Stefan Brülisauer. (Bild: pd)

Stefan Brülisauer. (Bild: pd)

"Natürlich sind wir froh, wenn jemand den Einstieg in den Arbeitsmarkt wieder schafft, das macht das Ganze aber auch nicht korrekter", sagt Stefan Brülisauer weiter. Schliesslich hätten die Angestellten nicht viel mehr in der Tasche, als wenn sie vom Sozialamt abhängig geblieben wären, das sei natürlich nicht der Sinn und Zweck. Grosse Unternehmen sollten laut Brülisauer dazu fähig sein, ihren Mitarbeitern einen gerechten Lohn zahlen zu können.

Judith Müller. (Bild: pd)

Judith Müller. (Bild: pd)

"Für Ungelernte üblich"

Zu einer einzelnen Firma möchte sich Judith Müller, stellvertretende Leiterin des Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA), nicht äussern. "Es lässt sich sagen, dass der Stundenlohn von 17 Franken in der Verpackung für ungelernte Arbeitskräfte üblich ist." Dies sei auch so im Lohnbuch Schweiz verzeichnet, sagt Müller. Generell prüfe aber die Tripartite Kommission des Kantons regelmässig, ob ein Betrieb die orts-, berufs- und branchenüblichen Löhne missbräuchlich unterschreite.

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