Billiger Wohnraum birgt Zündstoff

Der Gemeinderat Hauptwil- Gottshaus informierte Vermieter an einer Veranstaltung über die negativen Aspekte billiger Wohnungen.

Hugo Berger
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HAUPTWIL. Ihm sei bewusst, dass der Ausdruck «Billigwohnungen» provoziere, räumte Gemeindeammann Matthias Gehring ein. Die Bezeichnung warf bei den gut 40 Interessierten denn auch Fragen auf. Ist eine «heruntergekommene» Wohnung eine solche mit veralteter Infrastruktur oder ist sie einfach günstig zu mieten?

Bumerang für Vermieter

Angela Gähwiler, Präsidentin der Schlichtungsbehörde, wies darauf hin, dass eine Billigwohnung für den Vermieter zum Bumerang werden könne. Wenn die Wohnung billig sei, weil der Vermieter jahrelang nicht mehr in die Infrastruktur investiert hat, seien die Probleme oft programmiert. Gähwiler: «Der Vermieter muss damit rechnen, dass der Mieter ihn dauernd mit Forderungen konfrontiert, auch wenn dieser sich bei Vertragsabschluss mit dem Zustand der Wohnung einverstanden erklärt hat.»

Sozialamt als Mieter

Belegt werden die Wohnungen des untersten Preissegments oft von Sozialhilfeempfängern. Laut Astrid Strohmeier, Leiterin des Sozialamtes Hauptwil-Gottshaus, schätzen viele Vermieter die Kooperation mit dem Sozialamt, da sie mit pünktlichen Zahlungen rechnen dürften. Strohmeier machte aber klar, dass das Sozialamt nicht «mit grosser Kelle» schöpfen kann, und dass der Vermieter unter Umständen auf den Kosten sitzenbleibt. Etwa beim Tod eines Mieters.

Der Mietvertrag geht an die Erben über. Lehnen diese das Erbe ab, bleiben die Mietkosten ungedeckt, da die Verpflichtung des Sozialamtes mit dem Tod des Sozialhilfeempfängers erlischt. Auch kommt das Sozialamt nicht für Schäden auf, die dem Mieter angelastet werden. «Wir bestehen zwar darauf, dass die Leute eine entsprechende Versicherung abschliessen, aber wenn sie diese aus Kostengründen wieder künden, erfahren wir das nicht.»