Billiger Euro lockt nicht

Wegen der Griechenland-Krise verlor der Euro gegenüber dem Franken stark an Wert. Die Attraktivität der Euro-Zone für Einkäufe und Ferienreisen müsste für Schweizer daher gross sein. Das Tagblatt hat Oberthurgauer auf der Strasse befragt.

Bianca Binder/Alessandro Reho
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Trotz tiefem Euro-Stand fahren die befragten Oberthurgauer für Einkäufe nicht extra nach Deutschland. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

Trotz tiefem Euro-Stand fahren die befragten Oberthurgauer für Einkäufe nicht extra nach Deutschland. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

Für Erika Lehner liegt die missliche Lage Griechenlands an der Einstellung der Leute. «Die Schweizer sind in solchen Sachen vorausschauender und weniger risikofreudig», meint die Romanshornerin. Sie findet, die Schweiz solle sich von einem Rettungspaket für den Euro zurückhalten. Der tiefe Stand des Euro ist für sie kein Grund, ihre Einkäufe im Ausland zu erledigen. «Wegen zehn gesparten Franken lohnt es sich doch nicht, nach Konstanz zu gehen.»

Kein Anreiz

Auf das Kaufverhalten von Pia Gmünder aus Sommeri hat der billige Euro keinen Einfluss. «Ich glaube, entweder ist jemand der Typ, der im Ausland einkauft oder nicht. Das hängt nicht so sehr vom Stand des Euro ab.» Für sie sei aber kein Anreiz dazu vorhanden. Auch ihre Ferienplanung beeinflusse der aktuelle Wert des Euro nicht. «Ich bin in jungen Jahren viel gereist. Da muss ich nicht jetzt eine Reise buchen, weil es billiger ist.

» Mit der Unterstützung Griechenlands sollte die Schweiz vorsichtig sein, sagt Pia Gmünder. «Man kann denen jetzt nicht einfach das Geld nachwerfen, damit sie noch mehr haben, das sie verschwenden können.»

Zurückhaltend sein

«Für mich ändert sich durch den billigen Euro nichts», sagt Heinz Brunschweiler aus Romanshorn. Es lohne sich nicht für ihn, ins umliegende Ausland zum Einkaufen zu gehen. «Wenn ich gerade in Konstanz bin, kaufe ich manchmal etwas», sagt er.

Für regelmässige Einkäufe sei Konstanz aber zu weit weg und das Benzin zu teuer. Bezüglich dem Rettungspaket für den Euro sollte die Schweiz eher zurückhaltend sein, findet Heinz Brunschweiler.

Fürs Einkehren

«Meine Ferien verbringe ich sowieso immer auf dem Bodensee», so Josef König aus Arbon. «Euros brauche ich dann nur zum Einkehren und um den Liegeplatz für das Schiff zu bezahlen.»

Wenn er in Österreich sei, würde er dort ab und zu einkaufen, so Josef König. Er erledige, seit der Euro günstiger ist, seine Einkäufe aber nicht extra im Ausland. Eine Beteiligung der Schweiz am Rettungspaket, finanziert durch Steuergelder, findet Josef König nicht richtig. «Was würde man denn sagen, wenn eine Firma ihr ganzes Geld verschleudert und kurz vor dem Bankrott den Staat um Hilfe bittet?»

Solidarität gefordert

David Schlatter aus Amriswil findet, die Schweiz müsse solidarisch handeln. «Wir haben hier in den letzten Jahren immer gut gelebt und auch von der gesunden Wirtschaft anderer Länder profitiert.» Übrigens könne ein Staatsbankrott auch uns einmal treffen, so David Schlatter. «Dann würden wir um Hilfe auch froh sein.» In seinem Leben mache der gute Kurs des Euro keinen Unterschied.

«Konstanz liegt für Amriswiler nicht gerade am Weg, und dann gibt es vielleicht noch Probleme an der Grenze. Ich gehe lieber hier einkaufen», meint David Schlatter. Und in die Ferien fahre er in die Toscana, ob der Euro schlecht oder gut stehe.

Eigene Probleme

«Auf mich hat die aktuelle Euro-Problematik nur insofern einen Einfluss, dass ich Betriebswirtschaftslehre studiere und das Thema in den Vorlesungen momentan behandelt wird», erzählt Dominik Nöckl aus Steinach.

Seiner Meinung nach sollte sich die Schweiz nicht direkt am Rettungspaket beteiligen. «Wir haben in der Schweiz genügend eigene Probleme, die es zu lösen gilt», bemerkt er.

Erika Lehner

Erika Lehner

Pia Gmünder

Pia Gmünder

Heinz Brunschweiler

Heinz Brunschweiler

Josef König

Josef König

Dominik Nöckl (Bilder: are)

Dominik Nöckl (Bilder: are)

David Schlatter

David Schlatter