Billiger als in Konstanz

KREUZLINGEN. Der Müller-Drogeriemarkt in Kreuzlingen hat die Preise massiv gesenkt. Fast alle Produkte sind neu günstiger als in Deutschland. Von der neuen Preispolitik profitieren nur grenznahe Filialen.

Martina Eggenberger Lenz
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Ein Plakat auf dem Parkplatz der Kreuzlinger Müller-Filiale informiert über die Preisgestaltung. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

Ein Plakat auf dem Parkplatz der Kreuzlinger Müller-Filiale informiert über die Preisgestaltung. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

Leere Parkplätze, kaum Kundschaft im Laden: bei Müller in Kreuzlingen war lange Zeit wenig los. In den vergangenen Wochen hat das Geschäft aber offensichtlich angezogen. Seit rund drei Monaten verkauft die Drogeriemarkt-Filiale nämlich alle Produkte zu deutschen Preisen. Ein Duschgel, das in Konstanz beispielsweise 1,50 Euro kostet, gibt es in Kreuzlingen für 1.50 Franken. Somit kaufen die Kreuzlinger Kunden günstiger ein als auf der anderen Seite der Grenze – sieht man von der Rückerstattung der Mehrwertsteuer einmal ab.

Konkurrenz doppelt so teuer

Vieles ist damit um ein Vielfaches billiger als bei Migros, Coop oder anderen Anbietern. Drei Beispiele: ein Glas Babybrei von Hipp kostet in der Migros 1.15 Franken, bei Müller 45 Rappen. Pampers-Windeln gibt es bei Coop für 18.80 Franken, bei Müller kostet die gleiche Packung 8.45 Franken. Für eine Nivea Kids Sonnencrème verlangt Müller 10.95 Franken, dasselbe Produkt kostet in der Migros 19.60 Franken. Ausgenommen von der Preisanpassung sind allerdings Produkte von Schweizer Herstellern.

Kaum Werbung

Interessant ist, dass Müller nur diskret für die günstigen Preise wirbt. Vor und im Laden hängen Plakate, das ist alles. Müller werbe immer zurückhaltend, heisst es beim Personal. Man setze auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Vielleicht verzichtet Müller aber auch auf eine spezielle Bewerbung der Kreuzlinger Filiale, um die Kunden in Amriswil und Weinfelden nicht zu vergraulen. Diese zahlen nämlich für die gleichen Waren deutlich mehr als die Kreuzlinger. Von den Tiefpreisen profitieren nur Kunden von einigen wenigen Läden. Die 1:1-Preise gelten nebst Kreuzlingen auch in zwei Basler Märkten.

Konzern sagt nichts

Auf Nachfrage will vom Konzern niemand Auskunft geben zur Preispolitik in den grenznahen Filialen. Die Geschäftsführung der Kreuzlinger Filiale will sich nicht zitieren lassen, in der Zentrale in Oberentfelden heisst es: «Kein Kommentar.» Und die Medienstelle des Mutterkonzerns in Ulm reagiert nicht auf die Anfrage unserer Zeitung. So ist denn auch unklar, für wie lange die ungewöhnlich tiefen Preise Bestand haben und ob die Schliessung der Filiale eine Alternative wäre.

Nur in der Region bekannt

Fakt ist, dass die Drogeriemarkt-Filialen in Konstanz nach wie vor von Einkaufstouristen überrannt und leer gekauft werden. Schliesslich ist bei Drogerieartikeln die Preisspanne im Vergleich zur Schweiz besonders gross. Autos mit Zürcher oder St. Galler Nummernschildern sieht man hingegen vor der Kreuzlinger Filiale bislang keine. Das neue Konzept hat sich mehrheitlich unter den Einheimischen und Kunden in der näheren Region herumgesprochen.