Bezirksgericht nimmt Abschied

Der Gerichtssaal im Arboner Rathaus hat manche filmreife Scheidung und viele menschliche Schicksale gesehen. Jetzt zieht das Bezirksgericht weiter.

Maya Mussilier
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Das Thurgauerlied zum Schluss: Das Bezirksgericht zieht um. (Bild: Maya Mussilier)

Das Thurgauerlied zum Schluss: Das Bezirksgericht zieht um. (Bild: Maya Mussilier)

ARBON. Viel Publikum hatte sich am Donnerstag zur angesetzten Verhandlung im Gerichtssaal eingefunden. Nicht wegen des Falles, der ob der Menge der Delikte allein schon interessant schien. Grund für das zahlreiche Erscheinen war vielmehr die Tatsache, dass es sich um die letzte Verhandlung in diesen Räumlichkeiten handelte und anschliessend eine Abschiedsfeier angesagt war.

Menschliche Schicksale

Er erinnere sich noch gut, als er vor 24 Jahren auf einem Stuhl vor dem Richtertisch gesessen habe, um sich für das Amt des Gerichtsschreibers vorzustellen, sagte Gerichtspräsident Ralph Zanoni. Wenn er jetzt auf diese Zeit zurückblicke, erinnere er sich an viele menschliche Schicksale, die hier ihre Wendung genommen hätten. Menschen, die von einer Anklage freigesprochen wurden, andere, für die mit der Gerichtsverhandlung der erste Schritt in ein neues Leben begonnen hätte. Oder die vielen filmreifen Scheidungen, die noch nach altem Recht stattfanden.

Manche Anekdote hatte Staatsanwalt Riquet Heller mitgebracht. Sein erster Kontakt mit dem Rathaus hatte er schon als kleiner Bub, als er ein Velo gefunden hatte und ihn die Polizei aus Jux kurz in die Zelle steckte. «Ich habe um dieses Gebäude viele Jahre einen weiten Bogen gemacht», so Heller. Eine Erinnerung, die ihn nie mehr loslasse, sei der Brand von 1994.

Scheiden tut weh

Eine Verteidigungsrede für das Rathaus hatte der Verteidiger der letzten Verhandlung, Andreas Oehler, mitgebracht. Sein Antrag, den Umzug noch einmal zu überdenken, fand aber bei den Richtern kein Gehör. «Scheiden tut weh, und das meine ich wirklich ehrlich», beteuerte Stadtammann ad interim Patrick Hug. Einen solchen Mieter zu finden, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Noch offen sei, wie die Räumlichkeiten künftig genutzt würden.

Spontan umrahmt wurde der Abschied des Bezirksgerichts musikalisch von Marianne Thalmann und Ernst Maron, die mit ihren Trompeten einige Stücke zum besten gaben.

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