Besser flicken als kübeln

Am Samstag organisierten initiative Veranstalterinnen im ehemaligen Coop am Marktplatz in Weinfelden das zweite Repaircafé. Innerhalb von sechs Stunden brachten 16 freiwillige Helferinnen und Helfer unentgeltlich 77 Geräte wieder in Ordnung.

Rudolf Steiner
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Philipp Meier freut sich über eine Kaffeemaschine, die er wieder zum Laufen gebracht hat.

Philipp Meier freut sich über eine Kaffeemaschine, die er wieder zum Laufen gebracht hat.

WEINFELDEN. Bern und Basel haben eins, Zürich hat sogar mehrere, und seit letzten August hat auch Weinfelden ein Repaircafé. Es soll eine Anlaufstelle für Personen sein, die Dinge nicht einfach wegwerfen wollen, sondern es sinnvoller finden, sie gegen einen freiwilligen Solidaritätsbeitrag wieder flottmachen zu lassen. Auf die Idee zur Organisation eines Repaircafés in Weinfelden gekommen sind Heike Aus der Au aus Boltshausen und Katharina Fröhlich aus Weinfelden. «Ich bin Mitglied beim Schweizer Konsumentenschutz und habe in der Mitgliederzeitschrift zum erstenmal etwas von der Idee gehört und war sofort begeistert», sagt Katharina Fröhlich. «Heike und ich haben dann bereits bestehende Repaircafés besucht, um uns zu informieren.» Ende August stellten sie dann im Rahmen des Biomarkts das erste Repaircafé auf die Beine und machten positive Erfahrungen. «Das war die Initialzündung.»

Helfer mit Know-how

Die Stiftung Konsumentenschutz ist die Schirmherrin und unterstützt die Organisatoren mit Know-how und dem Druck von Reparaturaufträgen und Flyern. So hat Katharina Fröhlich in den letzten Wochen 500 Flyer an Geschäfte und in Briefkästen verteilt und mit Heike Aus der Au erfolgreich 17 Helfer aus den verschiedensten Berufen rekrutiert. Zum Beispiel helfen Schuhmacher Antonio Mente oder Handarbeitslehrerin Cornelia Brechbühl eifrig mit. Auch der 22jährige Cyrill Herzog, gelernter Schreiner, beschäftigte sich am Samstag lange mit einem defekten Joystick für die Playstation. Mit Spezialwerkzeug hat er ihn geöffnet und den Akku als Störfaktor geortet. Das Spielzeug gehört dem 13jährigen Darragh Eisenhut, der mit seiner Mutter ins Repaircafé gekommen ist. Er hatte das Steuergerät von seinem Sackgeld gekauft und hoffte fest, dass es repariert werden kann.

Die Crux mit den Ersatzteilen

Trotz grossem Einsatz und viel Geduld gelingt Cyrill Herzog die Reparatur nicht, weil die nötigen Ersatzteile fehlen. «Früher habe ich oft defekte Geräte bei den offiziellen Sammelstellen geholt und repariert», sagt der 21jährige Elektromonteur Fabian Mente aus Weinfelden. «Doch seit einiger Zeit ist das verboten, was mich ärgert.» Er hat mit Ersatzteilen aus defekten Stücken auch schon andere Geräte repariert, weil die Beschaffung von Originalteilen schwierig ist. Die Hersteller hätten natürlich kein Interesse an einer Reparatur, denn sie wollten neue Geräte verkaufen. Sie nähmen so jedoch in Kauf, dass nur minimal defekte und sonst fast neue Geräte wie Kaffeemaschinen, Staubsauger und Küchenmaschinen weggeworfen würden. Genau diesem Trend wollen die beiden Organisatorinnen mit der Idee eines Repaircafés entgegentreten.

Cyrill Herzog beobachtet Ernst Senn, der versucht, einen Staubsauger wieder flottzumachen. (Bilder: Rudolf Steiner)

Cyrill Herzog beobachtet Ernst Senn, der versucht, einen Staubsauger wieder flottzumachen. (Bilder: Rudolf Steiner)