BERG: Regierung auf Baustellenbesuch

Während einer Woche ist die Eisenbahnstrecke zwischen Weinfelden und Kreuzlingen unterbrochen. In dieser Zeit läuft die heisse Phase beim Doppelspurausbau. Gestern besichtigte Regierungsrat Walter Schönholzer die Baustelle.

Mario Testa
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Reto Sommer erklärt Regierungsrat Walter Schönholzer die Baufortschritte an der Eisenbahnstrecke. Unter dieser Brücke in Unterhard beginnt künftig die Doppelspur bis nach Berg. (Bild: Mario Testa)

Reto Sommer erklärt Regierungsrat Walter Schönholzer die Baufortschritte an der Eisenbahnstrecke. Unter dieser Brücke in Unterhard beginnt künftig die Doppelspur bis nach Berg. (Bild: Mario Testa)

BERG. Verirrt sich ein Zug in Weinfelden auf die Strecke nach Kreuzlingen, steckt er schon bald im Schotter. An mehreren Stellen liegen seit Anfang der Totalsperre der Strecke vergangenen Freitag keine Schienen mehr, so zum Beispiel beim Weiler Unterhard. «Hier bauen wir in den kommenden Tagen eine der beiden neuen Weichen ein», erklärt Ausführungsprojektleiter Reto Sommer, während er mit der Gruppe Besucher auf der neuen Brücke in Hard steht und auf den Schotter unter sich zeigt. «Die Weiche ist etwa 130 Meter lang. Erst wenn diese eingebaut ist und alle Lücken geschlossen sind, können hier wieder Züge fahren.»

Interessiert lauscht auch Regierungsrat Walter Schönholzer Sommers Ausführungen und stellt Fragen: «Weshalb werden keine Holzschwellen mehr verbaut?» will er wissen. «Einerseits aus Umweltschutzgründen – die Holzschwellen mussten stark mit Teer behandelt werden – und aus Kostengründen. Heute verbauen wir praktisch nur noch Betonschwellen», antwortet Sommer.

Ottenberg ist heikles Terrain

Eindrücklich ist von der Harder Brücke aus auch der Blick an den Hang oberhalb der Gleise. Rund 1000 Kubikmeter Erdreich mussten hier die Bauarbeiter abtragen, um Platz für die zweite Schiene zu schaffen. «Der Ottenberg ist ein heikles Terrain», sagt Oberbauleiter Matthias Rutz. «Bei Unwettern hat es hier schon Hangrutsche gegeben, deshalb müssen wir diese Böschung sichern. Wir treiben Eisenstangen in den Hang und befestigen daran ein Stahlnetz als Erosionsschutz.» Vom Netz werde man mit der Zeit nichts mehr sehen, da darauf eine Begrünung komme. «Auch von der Topographie ist das Bauen hier wegen der vielen Bachtobel anspruchsvoll.»

Vier Meter zusätzliches Land auf der Nordseite der bisherigen Gleise mussten die SBB zukaufen, um die Doppelspur realisieren zu können. «Die Bauern haben uns ihr Land verkauft, der Landerwerb hat gut geklappt», sagt Rutz auf eine entsprechende Frage von Regierungsrat Walter Schönholzer. «Solche Baustellen sind spannend und eindrücklich. Es erstaunt mich immer wieder, wie komplex sie sind, gerade auch aufgrund der vielen Beteiligten», sagt Schönholzer.

Viadukt Kehlhof verschwindet

Gesamtprojektleiter Jean Largey erläutert beim 104 Jahre alten Viadukt in Kehlhof, das schon bald abgebrochen wird und einem neuen Damm weichen muss, weshalb die wöchige Totalsperre überhaupt nötig ist. «Für die Kunden ist es einfacher, weil es nur eine Phase mit Ersatzbussen gibt, als wenn der Bau auf mehrere Wochenenden verteilt wäre. Für uns ist es besser, weil die Qualität der Arbeit bei Tag besser ist und auch mehr als doppelt so schnell gearbeitet werden kann, es ist also auch günstiger. Zudem gibt es weniger Baulärm in der Nacht.»