Beim Jassen Deutsch lernen

BISCHOFSZELL. 34 Teenager aus Neuseeland, Australien, Südafrika und Argentinien halten sich derzeit in Bischofszell auf. Die Kinder von Rotary-Club-Mitgliedern bereiten sich damit auf ihren einjährigen Sprachaufenthalt in der Schweiz vor.

Christof Lampart
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Rotarier Paul Strasser führt vier junge Australierinnen mit Witz und Geduld in die Kunst des Jassens ein. (Bilder: Christof Lampart)

Rotarier Paul Strasser führt vier junge Australierinnen mit Witz und Geduld in die Kunst des Jassens ein. (Bilder: Christof Lampart)

BISCHOFSZELL. «Es ist laut, es ist lustig im Vereinszentrum Bleiche, wo während zweier Wochen das Sprach-Camp stattfindet. Heute abend steht eine Einführung ins Jassen an. Die Jugendlichen sind mit Begeisterung bei der Sache, auch wenn einige Sprachprobleme vorprogrammiert sind, wenn man vormittags im Unterricht noch Sätze wie «Ich heisse Caitlin und komme aus Australien» einübt und abends begreifen soll, was «Schelle», «Undeufe» und «Nell» bedeuten. Ob «Schilte» denn «Spade» («Pik») sei, will ein Mädchen wissen.

Ein anderes versteht das «Trumpfen» nicht. Kein Wunder, greifen die meisten der erklärenden Rotarier schon bald einmal auf Englisch zurück.

«Ich liebe diese Sprache»

Für Elizabeth Parsons, die vor zwei Monaten im Westen Australiens die Matura gemacht hat, ist Deutsch kein Problem. Die 17-Jährige hat bereits ein Austauschjahr in der norddeutschen Stadt Lübeck hinter sich.

«Ich finde Deutsch faszinierend, und ich wollte noch das Schwyzerdütsch lernen, bevor ich anfange, in Australien zu studieren.» Dort gehört sie mit dem Fach Deutsch zu den absoluten Exoten. «Ich schätze, dass im ganzen Westen Australiens nicht viel mehr als hundert Schülerinnen und Schüler Deutschkurse an der Schule besuchen.» Warum lernt sie denn Deutsch? «Ganz einfach: Ich liebe diese Sprache», sagt Elizabeth.

Ein Mädchen aus Neuseeland litt anfangs unter extremem Heimweh. «Wir hatten schon einige Telefonate deswegen. Jetzt hat sich das Ganze ein wenig eingerenkt, aber einige Nerven hat es uns schon gekostet», erzählt Markus Wyss, der den Sprachkurs in Bischofszell organisiert hat.

Fremde Kultur kennenlernen

«Sehr schön, aber auch sehr kalt ist es hier», sagt Brittany Luise Schilg Cook, die aus New South Wales stammt und nicht die richtigen Kleider mitgebracht hat.

«Jetzt muss ich halt mehrere Schichten tragen, bis ich mir richtige Winterkleider kaufen kann», lacht die 16-Jährige. Deutsch sei für sie «completely new», aber doch zugleich sehr interessant, denn schliesslich stamme ihre Familie ursprünglich aus deutschen Landen. «Ich habe unseren Stammbaum studiert. Meine Vorfahren sind um 1850 nach Australien ausgewandert.» Brittany hat es nach Frauenfeld verschlagen. «Eine schöne Kleinstadt, in der ich mich wohl fühle.

» Auch die Familie sei cool und habe sie schon am ersten Wochenende in den Zoo und zu einem Karate-Turnier mitgenommen. Eines weiss Brittany mit Bestimmtheit: «Ich möchte während dieses Jahres ganz in die schweizerische Kultur eintauchen und dabei natürlich auch Deutsch lernen – auch wenn es mir bis jetzt noch eine ziemlich schwierige Sprache zu sein scheint.»

Abraham Luiz Carreño gestikuliert mit beiden Händen und redet munter drauflos. Der junge Argentinier hat keine Angst, Fehler zu machen. «So habe ich bis jetzt schon vier Sprachen gelernt, Deutsch ist die fünfte», strahlt der 17-Jährige. Das einzige, was er an Deutsch nicht mag, ist Deutschland. «Die haben uns bei den letzten beiden Fussball-Weltmeisterschaften rausgeworfen», lacht er. Sein verschmitztes Grinsen zeigt aber, dass die Aussage nicht ganz ernst gemeint war. Die Schweiz sei ein schönes Land und er sei bei seiner Walliser Gastfamilie gut aufgenommen worden.

Ihm sei jedoch aufgefallen, dass «das Deutsch im Wallis schon sehr komisch ist».

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