Beim Fahnenschwingen haben es Frauen nicht leicht

Erna Fischbacher und Claudia Mühlemann haben sich ihren Platz in Männerdomänen erkämpft. Am Frauengipfel erzählten sie von ihren Erlebnissen.

Margit Steinlin
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Wigoltingen. Dass er auch nach zehn Jahren noch knusprig ist, bewies der Wigoltinger Frauengipfel an seiner letzten Veranstaltung, die unter dem Motto «Fraue, i d Hose» stand. Erna Fischbacher, Frauenfeld, und Claudia Mühlemann, Kümmertshausen, haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben sich einen Platz in einer Männerdomäne erkämpft, die eine als Fahnenschwingerin, die andere als Baggerführerin.

Das Problem mit der Tracht

Schon als Kind sei sie häufig an Baustellen gestanden und habe fasziniert den grossen Maschinen zugeschaut, sie habe aber auch sich und den Freundinnen phantasievolle Frisuren gemacht, erzählte Claudia Mühlemann, die 16 Jahre als Coiffeuse gearbeitet hat. Erna Fischbacher ist erst vor ein paar Jahren mit dem Fahnenschwingen in Kontakt gekommen. Sie hat sich gleich hineingekniet und Kurse besucht. 2009 ist sie als erste Frau zum Wettkampf angetreten. Das Reglement sieht vor, dass in der Tracht geschwungen werden muss.

Die Lösung bestand aus einem Fuhrmannskittel und schwarzen Hosen. Eine Einschränkung bleibt: Sie darf nur mit der Schweizer Fahne schwingen, für die Kantonsfahne brauchte sie eine Thurgauer Tracht.

Den Wechsel nie bereut

Solche Probleme kennt Claudia Mühlemann nicht. Stylen muss sie sich nur noch für den Ausgang. Dafür hatte sie anfangs andere Probleme: Ihr wurde gesagt, Frauen hätten auf dem Bau nichts verloren, «mann» sei lieber unter sich. Sie habe gelernt, mit dummen Sprüchen umzugehen.

Bei der Arbeit mit der Maschine sei sie sowieso allein. Den Wechsel bereue sie nicht, auch wenn sie in der Freizeit ihren Bekannten weiterhin gerne die Haare macht.

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