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Beide wollen liefern statt lafern

Nach dem Rücktritt von Werner Schläpfer besetzen die Bewohner von Hauptwil-Gottshaus am 22. September den freien Gemeinderatssitz neu. Zur Wahl treten der 50jährige Werner Schiess und der 36jährige Michael Rodel an. Schiess ist in Hauptwil aufgewachsen, Rodel ist neu im Dorf.
Werner Schiess: «Ich will sicher nicht alles umkrempeln.» (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Werner Schiess: «Ich will sicher nicht alles umkrempeln.» (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Werner Schiess ist kein Mann der grossen Worte. «Wahlversprechen bringen nichts», betont er. «Die lassen sich meistens sowieso nicht umsetzen.» Für den vakanten Sitz im Hauptwiler Gemeinderat kandidiert der 50jährige Landwirt, der den Sonnenhof oberhalb des Dorfes führt, weil er von seinen Kollegen in der SVP-Ortsgruppe angesprochen worden ist. «Seit Werner Schläpfer zurückgetreten ist, sitzt kein Landwirt mehr im Gemeinderat.» Es sei aber wichtig, dass die Bevölkerung im Gemeinderat möglichst breit abgebildet sei und auch die Landwirtschaft bei den Entscheidungen berücksichtigt werde, sagt Schiess.

Diese Durchmischung schätze er auch im Männerturnverein. «Durch die Gespräche unter den Turnkollegen sieht man erst, mit welchen Problemen andere Berufsbranchen zu kämpfen haben», sagt Werner Schiess. Unterhalte man sich hingegen nur mit seinesgleichen, verliere man den Blick für die Mitmenschen.

Das Dorfleben gefällt ihm

Werner Schiess ist ein waschechter Hauptwiler. Aufgewachsen ist er auf dem elterlichen Bauernbetrieb an der Türmlistrasse. «Mir gefällt die ländliche Atmosphäre. Gleichzeitig ist Hauptwil ein Dorf, das nicht stehen geblieben ist.» Es werde fleissig gebaut, und dank verschiedener Veranstaltungen sei das Dorfleben sehr lebendig.

Besteht dennoch Handlungsbedarf? «Der Gemeinderat hat seine Aufgabe bis anhin sehr gut gemacht. Ich habe sicher nicht vor, nun alles umzukrempeln», sagt Schiess. «Letztlich geht es darum, dass es den Einwohnern gut geht, und das war aus meiner Sicht auch bisher so.»

Erfahrungen aus dem Beruf

Für das vakante Ressort Öffentliche Sicherheit bringe er dank seiner langjährigen Erfahrung auf dem Bauernbetrieb die nötigen Fähigkeiten mit. «In diesem Ressort ist man vor allem in Krisensituationen gefragt. Von der Landwirtschaft bin ich mich gewöhnt, rasche Entscheidungen zu treffen.» Wertvolle Erfahrungen nehme er auch aus seiner Vorstandstätigkeit beim Thurgauer Verband für Landtechnik mit.

An eine Kandidatur für den Gemeinderat konnte Werner Schiess bis vor kurzem gar nicht denken. Nebst der Bewirtschaftung seines Bauernhofs, auf dem er Ackerbau und Milchwirtschaft betreibt, war nicht genügend Zeit vorhanden. Mittlerweile hat sein ältester Sohn Reto die Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen und hilft nebenbei auf dem elterlichen Betrieb aus.

Mit Ehefrau Gaby hat Schiess drei weitere Kinder im Alter von 14 bis 21 Jahren. Auf der politischen Bühne ist er bislang noch nicht gross in Erscheinung getreten. Politische Diskussionen ist er sich aber trotzdem gewöhnt. «Ich geniesse es, beim Nachtessen mit der Familie am Tisch zu sitzen und zu diskutieren. Da können auch mal die Fetzen fliegen», fügt er mit einem Schmunzeln an.

Cyrill Rüegger

Michael Rodel ist kein Mann, der gerne tatenlos herumsitzt. «Ich will mich im Dorf engagieren», sagt er. Momentan wohnt Rodel gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Silvia Bernhardsgrütter und dem Mischlingshund Kira in Niederuzwil. In wenigen Tagen ziehen die drei in ihr neues Haus an der Türmlistrasse 15 in Hauptwil. Auch wenn er neu und den meisten Dorfbewohnern noch völlig unbekannt ist, kandidiert Rodel für den vakanten Sitz im Gemeinderat. «Ich ärgere mich nicht gerne über etwas, das ich nicht ändern kann, sondern wirke lieber selber mit», begründet er die Kandidatur. Bei der Wahl könne er auch bei einer Niederlage nur gewinnen, «und sei es lediglich eine neue Erfahrung.»

Ganz unbekannt ist dem 36-Jährigen die Gemeinde Hauptwil-Gottshaus nicht. Weil die Schwester seiner Partnerin und deren Mann in Hauptwil wohnen, besuche er immer wieder Veranstaltungen im Dorf. Am letzten Polentafest machte ihn denn auch ein Bekannter auf den freien Gemeinderatssitz aufmerksam.

Kosten lassen sich optimieren

«Hauptwil erlebe ich als sehr familiäres und fortschrittliches Dorf, das viel für die Jugendlichen tut.» Mit den Leuten komme er jeweils rasch ins Gespräch. Aufgefallen seien ihm auch die langen Öffnungszeiten der Volg-Filiale, fügt Rodel schmunzelnd an.

Handlungsbedarf habe er bislang nicht ausmachen können. Aus seiner Erfahrung in der Industrie wisse er aber, dass Kostenoptimierungen praktisch immer möglich seien, sagt Michael Rodel. Der gelernte Lebensmitteltechnologe arbeitet bei der Firma Ospelt food AG in Sargans, wo er die Logistikabteilung leitet.

«Das vakante Ressort Öffentliche Sicherheit passt zu mir. Ich kann Leute führen und, wenn es hart auf hart kommt, schnelle Entscheidungen treffen», sagt Rodel. Im Militärdienst sei er schon am World Economic Forum in Davos und bei verschiedenen Katastrophen im Einsatz gestanden.

Seine Aufgabe im Gemeinderat sieht Michael Rodel aber nicht nur im Managen von Krisensituationen. Dem passionierten Schlagzeuger liegen auch die Jugendlichen am Herzen. «Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, ein Open Air für lokale Jugendbands auf die Beine zu stellen.» Zudem wolle er den Jungen den Dienst in der Feuerwehr näher bringen.

Er sieht sich bürgerlich-liberal

Michael Rodel ist parteilos. Es gebe keine Partei, die seine Ansichten komplett abdecke, sagt er. Im Grossen und Ganzen sehe er sich bürgerlich-liberal. «Letztlich ist das aber nicht so wichtig, weil wir im Gemeinderat ohnehin als Team arbeiten sollten.»

Das Mandat im Gemeinderat wäre das erste politische Amt von Michael Rodel. «Wahrscheinlich bin ich nicht der typische Politiker», sagt er mit einem Augenzwinkern. «Ich bin nämlich kein Schönredner, aber dafür entscheidungsfreudig und direkt.»

Cyrill Rüegger

Michael Rodel: «Ich bin entscheidungsfreudig und direkt.» (Bilder: Reto Martin)

Michael Rodel: «Ich bin entscheidungsfreudig und direkt.» (Bilder: Reto Martin)

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