Bei den Wahlen ins Arboner Parlament fordert der Sohn den Vater heraus

ARBON. Riquet und Felix Heller liefern sich ein innerfamiliäres Duell: Der Vater will seinen Sitz bei der FDP verteidigen, der Sohn tritt erstmals für die SP an.

Max Eichenberger
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Messen die Kräfte: Riquet Heller und sein Sohn Felix. (Bild: Katja Nideröst/Anzeiger)

Messen die Kräfte: Riquet Heller und sein Sohn Felix. (Bild: Katja Nideröst/Anzeiger)

Bei Wahlen gibt es immer wieder besondere Geschichten. Vor vier Jahren waren in Arbon die Stimmenzähler gefordert, zwei Kandidaten mit identischen Vor- und Nachnamen auseinanderzuhalten. Ein Andreas Näf kandidierte auf der Liste der SVP, der andere für die FDP.

Aus Vaters Spur heraus

Diesmal kommt es zu einem Familienduell, wobei es nicht unwahrscheinlich ist, dass beide am kommenden Sonntag feiern können.

Staatsanwalt Riquet Heller (58), der seit der Geburtsstunde des Arboner Stadtparlamentes 2003 dabei ist, kandidiert ebenso wie sein Sohn Felix. Der Kantonsschüler lebt immer noch im Haus der Familie an der Berglistrasse.

Politisch haben die beiden das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Vater Heller ist Mitglied bei der FDP, die politische Heimat des Sohns ist die SP.

SP immerhin staatstragend

«Es hat sich einfach so ergeben, dass mein Filius heute bei den Sozis ist», stellt Riquet Heller mit einer gewissen Nüchternheit fest. Manchmal habe ihn dies schon ein wenig gewurmt. Doch er akzeptiere, dass Kinder manchmal ihre eigenen Wege gehen.

«Als Vater habe ich ihm da keine Anweisungen zu geben.» Aber immerhin sei die SP ja auch eine staatstragende Partei, tröstet sich der Vater darüber hinweg, dass der Sohn in anderen Farben politisiert.

Zielstrebig und selbstbewusst

Und das tut Felix Heller in jungen Jahren schon ziemlich aktiv und zielstrebig. Das hat er an der Nominationsversammlung seiner Partei deutlich gemacht. «Ich will ins Parlament!»

Felix Heller ist Sekretär der Thurgauer Jungsozialisten. Wenn er zu einem Parteikongress nach Bern reisen muss und beim Vater um Taschengeld ersucht, muss dieser schon mal auf die Zähne beissen, «ihm dafür einen Lappen in die Hand zu drücken», wie er sagt.

Vater Kontra geben

Den Weg in die Politik gefunden hat Felix Heller vor vier Jahren bei den eidgenössischen Wahlen. Mit seinen Ansichten und Wertvorstellungen von sozialer Gerechtigkeit und Demokratie fühlte er sich am ehesten von der SP abgeholt. Diese wurde seine politische Heimat, zum anfänglichen Missfallen des Vaters, der sich mittlerweile damit abgefunden hat.

Vielleicht muss sich Riquet Heller bald auch damit abfinden, dass ihm im Arboner Seeparksaal vis-à-vis der freisinnigen Fraktion Sohn Felix in den SP-Reihen Kontra gibt.

Seit 2009 möglich

Die Gemeindeordnung lässt zwar nicht zu, dass Vater und Sohn gemeinsam im Parlament sitzen können. Doch in der neuen Kantonsverfassung heisst es, dass der Verwandten-Ausschluss für Mitglieder des Grossen Rates und von Gemeindeparlamenten nicht gelte, sagt die Juristin der Stadt Arbon, Lisa Schegg.

Wählbar und dem Parlament angehören könnten somit Riquet und Felix Heller. Bei nächster Gelegenheit müsste die Gemeindeordnung angepasst werden.

Auch andere Verwandte

Einen Präzedenzfall gab es bereits in der jungen Geschichte des Stadtparlamentes: Als Nachfolger für Didi Feuerle konnte Andreas Grubelnik bei der SP nachrücken – obwohl er mit SP-Präsident und Fraktionsmitglied Bernhard Bertelmann verschwägert ist.