Bei Brunners gibt Musik den Takt an

BERG. Familie Brunner aus Berg kann sich ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Die Eltern haben sich während einer Operettenaufführung kennengelernt. Alle fünf Kinder spielen ein Instrument – und das nicht nur an Weihnachten.

Hana Mauder
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Familie Brunner macht Musik: Die Eltern Petra und Peter inmitten ihrer fünf Kinder. (Bild: Andrea Stalder)

Familie Brunner macht Musik: Die Eltern Petra und Peter inmitten ihrer fünf Kinder. (Bild: Andrea Stalder)

BERG. Es duftet nach Guezli. Am langen Tisch sitzt die siebenköpfige Familie und redet angeregt über dies und das. Auch über Musik. Mit ihr begann die Geschichte: Petra und Peter Brunner lernten sich bei einer Operettenaufführung kennen. Sie sang im Chor, er wirkte im Orchestergraben. Heute leben beide mit ihren fünf Kindern in einem Haus in Berg. In der guten Stube gibt die Musik immer noch den Ton an. «Wir holen nicht jeden Tag alle die Instrumente hervor», stellt Peter Brunner klar. «Für jeden von uns spielt die Beschäftigung mit der Musik eine sehr individuelle Rolle.»

Musik hält zusammen

Nein, sie bedienen keine Klischees. Sie sind authentisch in dem, was sie tun – und wie sie es tun. Musik unter dem Weihnachtsbaum? Ja, aber der Abend dreht sich nicht nur darum. Da sind ja noch die Geschenke. Die Zeit, die man teilt. «Sicher, im Advent nimmt man sich schon öfter Zeit, um mit den Kindern zu musizieren», meint Petra Brunner. «Musik machen ist eine Beschäftigung, die einen viel über sich selbst lehrt», fährt sie fort. «Man fängt gemeinsam an, findet sich... Die Freude an der Musik hält uns zusammen.»

Gestern bis heute

Klänge von Klassik bis Rock und Pop füllen das Haus mit Leben. Da schaut keiner so genau auf die Uhr. «Ich könnte direkt neben meinen Kindern Trompete spielen, sie würden nicht aufwachen – so sehr sind sie den Klang gewöhnt», schmunzelt Peter Brunner. Der Sekundarlehrer und Dirigent der Musikgesellschaft Berg hat seine Passion schon in der Primarschule für sich entdeckt. Damals hörte er die «Sechste Sinfonie» von Beethoven und «Die Schöpfung» von Haydn. «Das waren meine Schlüsselerlebnisse», erinnert er sich. Als Kind dirigierte er mit Stricknadeln die Schallplatten-Orchester. Heute spielt er Trompete, Piano und dirigiert das Blasmusikorchester des Ortes.

Petra Brunner singt heute nicht mehr im Chor. Ihr Interesse gilt den Instrumenten – tatsächlich im Plural: Blockflöte, Querflöte, Klavier, Orgel, Cello. Vielfalt ist ihr Stichwort. «Jedes Instrument will auf seine eigene Weise entdeckt, erlernt und gespielt werden», sagt sie. Die fünf Kinder begegnen der Passion ihrer Eltern mit einem Augenzwinkern. Wenn der Vater zum x-tenmal seine liebsten Opern im Auto dröhnen lässt, legen sie durchaus mal ihr Veto ein. Aber: «Unser Vater bringt uns mit Klassik in Berührung. Ich höre ihm gern zu, wenn er darüber spricht oder selber spielt», sagt die 16jährige Fabienne. «Aber es gibt auch viele andere Dinge, die mich interessieren.» Sie selbst holt ihre Gitarre vor allem dann hervor, wenn sie die Gedanken schweifen lassen möchte. «Dabei kann ich wunderbar nachdenken», meint sie.

Für ihren 14jährigen Bruder Marius ist der Gedanke an die Berufswahl derzeit aktuell. Da reichen die Energie und Zeit nicht fürs Schlagzeug. Aber: Er habe immer eine Melodie im Kopf und singe vor sich hin, erzählen seine Geschwister. Die Trommelstöcke hat Marius an seinen elfjährigen Bruder Sebastian weitergereicht. Seit vier Jahren übt dieser sich in Schlag und Takt. «Das braucht Kondition und Koordination», meint er nicht ohne Stolz. «Weil nicht nur die Hände, sondern auch die Füsse zum Einsatz kommen.»

Übung macht den Meister

Tochter Eliane ist zwölf. Nach ersten musikalischen Gehversuchen mit der Blockflöte und Klavier hat sie die Querflöte für sich entdeckt. Ansatz, Atmung, Griffe: Sie weiss, dass der typische melodiöse Klang verdient sein will. «Man muss schon dranbleiben», sagt sie. Ihre kleine Schwester Valérie nickt. Sie tanzt Ballett an der Musikschule Weinfelden. Ihr Instrument ist das Cello. Eine Frage von Haltung und Dynamik: «Mir macht beides Spass», sagt sie. Die Freude an der Sache ist ein Schlüsselwort. «Es ist egal, ob jemand Fussball spielt oder ein Instrument lernt», sagt Peter Brunner. «Was zählt ist Leidenschaft und Überzeugung.» Petra Brunner ergänzt: «Musik ist ein schönes Erlebnis. Es gewinnt an Tiefe, wenn man es teilt. Nicht nur an Weihnachten.»

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