Behörden-Knatsch eskaliert

Die Stimmbürger von Salenstein wählen Gemeindeammann Roland Streit am 8. März ab. Doch damit nicht genug: Im April stellt ihn der Gemeinderat auch noch frei.

Martina Eggenberger Lenz
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SALENSTEIN. Gebrodelt hatte es im Dorf schon lange. Dann machte eine Findungskommission im Wahlkampf Nägel mit Köpfen. Ihr erklärtes Ziel war die Erneuerung der Exekutive, insbesondere der Sturz des amtierenden Gemeindeammanns, Roland Streit. Der Putsch gelang. Am 8. März wurde nach einer offen ausgetragenen Schlammschlacht Roland Nothhelfer, vorher Vize, zum Gemeindepräsidenten gewählt. Neu ins Gremium kamen zudem zwei weitere Kandidaten der Findungskommission. Die ebenfalls kritisierte Schulpräsidentin Eva Zwick konnte sich im Sattel halten.

Wie ein Verbrecher behandelt

Das Schicksal von Roland Streit hingegen war besiegelt. Der Höhepunkt des Streits um Streit erfolgte dann aber erst nach dessen Abwahl. Mitte April stellte der Gemeinderat den Ammann Knall auf Fall für die letzten 47 Tage seiner Amtszeit frei. Sein Büro wurde zugesperrt, Mails konnte er nicht mehr lesen. «Ich wurde wie ein Verbrecher behandelt», stellte das gechasste Gemeindeoberhaupt damals fest. Streit wollte die Schmach nicht auf sich sitzen lassen und klagte bei der Personalrekurskommission. Vertreter des Kantons mussten mehrmals in Salenstein nach dem Rechten sehen. Eine geordnete Amtsübergabe von Streit zu Nothhelfer war nicht mehr möglich.

Skulpturenweg gekippt

Dass der neue Gemeinderat eine neue Richtung einschlägt, zeigte sich beim Skulpturenweg im Juni. Das Prestigeprojekt von Streit und Gefährten wurde just zur Ablehnung empfohlen und von der Gemeindeversammlung verworfen. Aktuell kümmert sich der Verein Kultursee um die Kunstwerke. Sie sind das Relikt eines der schlimmsten Konflikte innerhalb einer politischen Behörde, die der Kanton Thurgau in jüngster Zeit erlebt hat.

Streit erhält Recht

Mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden in Salenstein. Roland Streit hat zweimal Recht bekommen. Die Personalrekurskommission hat das Vorgehen des Gemeinderates als groben Fehler kritisiert. Und eine Anzeige von Roland Nothhelfer gegen Streit wegen unkorrekter und willkürlicher Amtsführung blieb wirkungslos. Der ehemalige Gemeindeammann ist allerdings immer noch nicht öffentlich verabschiedet worden.

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