Behörde sieht keine Interessenkonflikte

WEINFELDEN. Die Evangelische Kirchgemeinde Weinfelden führt am 3. Oktober eine ausserordentliche Versammlung durch. Einziges Traktandum: Die Wahl eines neuen Pflegers, dessen Frau ebenfalls in leitender Position für die Kirchgemeinde arbeitet.

Esther Simon
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Eugen Schmitter, Treuhänder. (Bild: pd.)

Eugen Schmitter, Treuhänder. (Bild: pd.)

Am 1. Juni 2012 hätte die Kirchenvorsteherschaft mitsamt neuem Finanzchef eigentlich wieder komplett sein müssen. Doch die Suche nach einem neuen Pfleger, als Nachfolger von Walter Aeschbacher, habe sich ausserordentlich schwierig gestaltet, sagt Helmut Wiegisser, Präsident der Kirchenvorsteherschaft. Jetzt ist ein Kandidat vorhanden, der sich nicht einmal selber gemeldet hat. Die Kirchenbehörde empfiehlt den 61jährigen Treuhänder Eugen Schmitter aus Weinfelden zur Wahl.

Ausstandsregeln einhalten

Tatsache aber ist, dass Schmitters Frau, Verena Schmitter, Leiterin des Altersheims Bannau ist, das zur evangelischen Kirchgemeinde gehört. Das heisst also, dass Schmitter, als Finanzchef der Kirchgemeinde, seine Frau kontrollieren könnte.

Doch Präsident Helmut Wiegisser sieht keine Interessenkonflikte auf die Behörde zukommen, wenn Schmitter an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom 3. Oktober als Kirchenpfleger gewählt wird.

«Dass Eugen Schmitters Frau Leiterin des Altersheims Bannau ist, war in der Kirchenvorsteherschaft sicher ein Thema. Aber wir haben die Sache mit dem Kirchenrat abgeklärt.» Ernst Ritzi, Aktuar des Evangelischen Kirchenrats des Kantons Thurgau, schreibt auf Anfrage der Thurgauer Zeitung, dass mögliche Interessenkonflikte lösbar wären, wenn die üblichen Ausstandsregeln, wie sie für politische und kirchliche Behörden gelten, konsequent angewendet werden. Wiegisser betont, dass die Rechnung des Altersheims Bannau getrennt geführt werde. Die Heimkommission trage Informationen aus der Kirchenvorsteherschaft an das Altersheim Bannau; sie müsse das sogar. Auch Eugen Schmitter sieht in der Konstellation kein Problem: «Als Treuhänder ist Verschwiegenheit für mich eine Selbstverständlichkeit.»

«Der Idealfall»

Helmut Wiegisser hofft, dass die Kirchbürger Schmitter an der Versammlung wählen: «Schmitter ist für uns der Idealfall. Er ist beruflich auf der Höhe und hat Zeit für die Kirchgemeinde.» Schmitter würde, wie er auf Anfrage sagte, die Arbeit in seinem Treuhandbüro zugunsten der Aufgabe in der Kirchgemeinde reduzieren. Vorgesehen ist ein Stellenpensum von zehn bis fünfzehn Prozent. Die Versammlung vom 3. Oktober sei nicht vorgesehen gewesen, sagt Helmut Wiegisser. «Aber wir können nicht warten bis zur Budgetgemeindeversammlung im Januar. Wir sind jetzt mitten in der Budgetierungsphase, und diese Arbeit kann nur jemand übernehmen, der gewählt ist.»

Auch als Kirchenvorsteher

Eugen Schmitter wird am 3. Oktober auch zur Wahl in die Kirchenvorsteherschaft für die Legislaturperiode 2012 bis 2016 vorgeschlagen. Weshalb die Suche nach einem neuen Pfleger für Evangelisch-Weinfelden so aufwendig war, kann sich der Präsident der Kirchenvorsteherschaft nicht erklären. «Die Wahlkommission hat alles versucht mit Inseraten sowie Aufrufen in der Kirche und auf der Homepage.» Aber mit der Kandidatur von Eugen Schmitter sei man sehr zufrieden: «Wir hatten ja den Anspruch, nicht irgendjemand zu finden», sagt Helmut Wiegisser.