BEHINDERTENSPORT: Auch international eine der Besten

Für die Rollstuhlfahrerin Manuela Schär aus Luzern war Weltklasse in Arbon eine Standortbestimmung. Sie hat zwei europäische Bestmarken aufgestellt.

Lukas Gerzner
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Manuela Schär (mit weissem Rollstuhl) gibt den Nicht-Rollstuhlfahrern Tipps: Von links Leichtathletin Linda Züblin, Snowboard-Weltcupsiegerin Julie Zogg und die beidseitig unterschenkelamputierte Abassia Rahmani. (Bild: Andrea Stalder)

Manuela Schär (mit weissem Rollstuhl) gibt den Nicht-Rollstuhlfahrern Tipps: Von links Leichtathletin Linda Züblin, Snowboard-Weltcupsiegerin Julie Zogg und die beidseitig unterschenkelamputierte Abassia Rahmani. (Bild: Andrea Stalder)

Lukas Gerzner

redaktion

@thurgauerzeitung.ch

Der goldene April ging für Manuela Schär am Wochenende in Arbon weiter. Sie hat bei Weltklasse am See zwei europäische Bestmarken aufgestellt.

Aber zurück zum April, wo alles begann. An den prestigeprächtigen Marathons im amerikanischen Boston und in London holte sich die Luzernerin zum ersten Mal je den Sieg – ein persönliches Highlight ihrer Karriere. «Nach mehreren zweiten Plätzen in den Vorjahren nun gleich doppelt zu gewinnen und dann noch je mit Streckenrekord: Das ist schon fantastisch», sagt Manuela Schär. In Boston hat sie zudem als erste Frau einen Marathon im Rollstuhl unter 90 Minuten geschafft – Weltrekord.

Aufgewachsen ist Manuela Schär im luzernischen Altis­hofen, wo sie schon als kleines Mädchen Teil einer Mädchenriege als auch einer Läuferriege war. So war sie auch nach ihrem Unfall 1993 im Alter von neun Jahren bald wieder in der Leichtathletik zu finden, nun aber im Rollstuhl. Dabei durfte sie immer auf die volle Unterstützung der Eltern zählen, welche den Fahrdienst leisteten. «Um einiges einfacher wurde es mit 16 Jahren, als ich vorzeitig die Autoprüfung machen durfte», sagt die mittlerweile 32-Jährige. Als Profisportlerin ist Manuela Schär seit 2008 unterwegs – keineswegs selbstverständlich. «Es ist nicht einfach, in diesem Sport ein Sponsoring aufzubauen», sagt Manuela Schär. Sie trainiert sechs Tage die Woche.

Die Freunde sind der Ausgleich

Den wichtigen Ausgleich findet Schär in ihrem Freundeskreis: «Für Hobbys fehlt mir schlicht die Zeit. Doch meine Freunde haben nicht viel mit Sport zu tun: Da kann ich abtauchen und abschalten, sie sind für mich ein Anker der Realität.» Zuletzt hat sich Manuela Schär intensiv auf die Bahnrennen an der Weltklasse am See in Arbon vorbereitet. «Ich fühle mich seit drei Wochen wieder fit auf der Bahn», sagt die Rollstuhlfahrerin. Sie gehe locker an die Sache ran und lasse Raum für Risiko: «Für mich sind die Wettkämpfe in Arbon eine Standortbestimmung, ich möchte abschätzen, wo ich gegenüber der internationalen Konkurrenz stehe.»

Auch wenn sie an der Schweizer Meisterschaft in Arbon vorne mitfahren möchte, steht für Manuela Schär die Weltmeisterschaft im Juli in London klar im Vordergrund. Nach ihrem Weltmeistertitel im Marathon in Lyon 2013 hat sich für die Luzernerin immer mehr der Marathon als bevorzugte Disziplin hervorgetan. Wegweisend für sie war die zweimonatige Pause nach den Paralympics in London 2012: «Da habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht, und es hat markante Veränderungen gegeben.»

Ihr Bezug zum Thurgau: das Micarna-Team

Eine weitere Plattform der Präsentation stellt das sogenannte Micarna-Team dar, dem Manuela Schär angehört. Dieses Wochenende in Arbon wurden Sportler-Kollegen wie Linda Züb­lin und Stefan Küng von Manuela Schär sogar unterwiesen, wie man einen Rollstuhl-Lauf bestreitet. Durch die Veranstaltungen des Micarna-Teams fühle ich mich auch in der Ostschweiz heimisch», sagt die Rollstuhlsportlerin.

Als Label zur Unterstützung verschiedener Charity-Projekte des Fleischverarbeiters aus Bazenheid sammeln sich im Micarna-Team Sportler aller möglichen Disziplinen, vorwiegend aus der Ostschweiz, dazu gehört die Olympiabronze-Gewinnerin Giulia Steingruber oder Bike-Weltmeisterin Jolanda Neff. 35