Bedenken sind geblieben

Über 30 Mitglieder des Quartiervereins Sittertal besichtigten das Holzkraftwerk in Ems. An ihrer kritischen Haltung gegenüber dem Projekt in Bischofszell hat der Augenschein nichts geändert.

Urs Bänziger
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Die Besucher aus Bischofszell werden von Projektleiter Thomas Roth (rechts) durch das Holzkraftwerk in Ems geführt. (Bild: pd)

Die Besucher aus Bischofszell werden von Projektleiter Thomas Roth (rechts) durch das Holzkraftwerk in Ems geführt. (Bild: pd)

BISCHOFSZELL. Das grösste Gebäude des geplanten Holzkraftwerks an der Sulgerstrasse in Bischofszell Nord, das Kesselhaus, ist mit 23 Metern nicht so hoch wie dasjenige, welches in Domat-Ems steht. Zudem wäre die Turbinenhalle in Bischofszell schallisoliert und würde das Abladen der Holzschnitzel in einer geschlossenen Halle vonstatten gehen.

In Ems nicht im Wohngebiet

Dennoch vermag das geplante Projekt in Bischofszell die Bewohner vom Letten-Quartier nicht zu überzeugen. «Es ist ein immenser Klotz», sagt Alfred Noser.

Er hat am Samstag mit über 30 weiteren Mitgliedern des Quartiervereins Sittertal auf Einladung der Axpo die Anlage in Domat-Ems besichtigt. An und für sich finde er Holzkraftwerke gut, sagt Noser. «Der grosse Unterschied zwischen dem geplanten Projekt in Bischofszell und demjenigen in Domat-Ems ist aber, dass dort weit und breit kein Wohnhaus steht. Mir und den anderen Bewohnern von der Unteren Lettenstrasse würde das Holzkraftwerk praktisch vor die Haustüre gebaut. Das ist für mich nicht akzeptabel.»

Für die Bewohner des Letten-Quartiers wäre ein Holzkraftwerk in den geplanten Dimensionen eine Katastrophe, sagt Richard Wenk, der an der Mittleren Lettenstrasse wohnt. «Der vorgesehene Standort ist zu nah am Wohnquartier. Dann haben wir noch mehr Lastwagenverkehr, und die Bahnschranke auf der Sulgerstrasse wäre noch öfter geschlossen, da ja ein Teil des Holzes mit der Bahn angeliefert wird.» Auch Philipp Sauder, Bewohner an der Westlichen Lettenstrasse, stören die Dimension der geplanten Anlage und die zusätzliche Verkehrsbelastung.

«Ein Holzkraftwerk ist an und für sich eine gute Sache. Aber warum muss alles in Bischofszell Nord gebaut werden. Die Bewohner hier sind ja mit der Industrie schon genug belastet.» Vom Holzkraftwerk würden die Axpo und die Bina profitieren. Auch die Bevölkerung könnte einen Nutzen haben. «Doch bis jetzt wissen die Bewohner viel zu wenig über die Möglichkeit, vom Holzkraftwerk Fernwärme zu beziehen.

Zwar wurde bei den Hausbesitzern eine Umfrage gemacht, aber wie soll man sich dazu äussern, wenn man nichts über die Kosten weiss.» Sauder glaubt, dass die Fernwärme ein Argument für die Errichtung des Holzkraftwerks sein könnte. «Sofern der Preis ein Anreiz ist.»

«Ein Geben und Nehmen»

Nach der Besichtigung könne er sich jetzt das Holzkraftwerk in Bischofszell vorstellen, sagt der Präsident des Quartiervereins Sittertal, Peter Bätscher. «Die Grösse ist enorm.

Man muss sich fragen, ob es richtig ist, eine solche Anlage so nah an Wohnhäuser zu stellen.» Auch Bätscher sieht in der Fernwärme eine Möglichkeit, die kritischen Bewohner in Bischofszell Nord umzustimmen. «Es ist ein Geben und Neben. Eine langfristig günstige Wärme wäre eine Entschädigung für den Minderwert der Häuser und für die Einbusse der Wohnqualität. Doch bis jetzt redet die Stadtbehörde nur über den Fernwärme-Nutzen, ohne konkrete Angaben zu machen.»

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